Zur Oriella-Umfrage 2009


Der Journalismus im Wandel

 

Bei der Fink & Fuchs PR AG findet man die aktuelle Oriella Umfrage 2009 mit der Überschrift „Journalismus im digitalen Zeitalter“. Rund 350 Journalisten in Europa wurden zu den aktuellen Veränderungen ihres Metiers in Bezug auf Digitalisierung und Wirtschaftskrise befragt.

Natürlich sind diese beiden Faktoren schlecht in getrennten Studien zu behandeln, allerdings bedauere ich sehr, dass „das Internet“, als Galionsfigur der digitalen Medien, wieder einen negativen Beigeschmack erhält, da in seinem Kielwasser nun aktuell die Krise mitfährt. Somit wird Hetzern neues Material geliefert und Vorurteile an einer Stelle unterstrichen, die doch eigentlich als Chance zu begreifen ist.

Aus den Ergebnissen der Studie wird gern die Schlussfolgerung gezogen, die Journalisten würden nicht an die Zukunft der Online-Medien glauben. Dabei besagt sie lediglich, dass ungefähr die Hälfte der Teilnehmer kein tragfähiges Geschäftsmodell sieht. Allerdings würde ich Geschäftsmodelle auch nicht allein bei den Redakteuren suchen und mit etwas Recherche lässt sich dann das ein oder andere erfolgversprechende Konzept bei entsprechenden Experten finden.

Doch zurück zur Studie: Das Aufgabenfeld der Journalisten hat sich verändert und ist vielfältiger geworden. Bei knapp der Hälfte der Befragten gehört inzwischen die Produktion von Videos und Blogs zum Arbeitsalltag. Und dass die Briten die deutschen Journalisten mit 70 zu 26 Prozent übertreffen, was das Betreiben von Twitter-Kanälen betrifft, überrascht nicht sonderlich und wird sich mit der Zeit sicherlich annähern.

Ein Ergebnis hat mich jedoch tatsächlich erstaunt: Trotz der negativen Prognosen, die streckenweise durchklingen, das Fehlen von Schulungen auf die neuen Medien, der längeren Arbeitszeiten, der Mehrarbeit oder der Job-Unsicherheit, sind über 80 Prozent der Journalisten zufrieden und zu einem guten Teil sogar noch zufriedener mit ihrer Arbeit.
Ebenso spannend; die Hälfte befürchtet allgemein verringerte journalistische Qualität und jeder fünfte auch eine Verschlechterung in der eigenen Redaktion, doch über 39 Prozent nehmen den eigenen Content eher hochwertiger wahr als früher.

Nahezu 60 Prozent der Journalisten vermuten, dass die Zahl der Print-Medien sich deutlich verringern wird. Nur ein Viertel erwartet, dass insgesamt die Zahl der Medien zurückgehen wird.
Dass Social Media die Medienlandschaft verändern wird, davon ist gut die Hälfte überzeugt. Wahrscheinlich verursachen nicht nur die bisher erlebten Veränderungen den aktuellen Drang zur Regulierung. Die Unsicherheit wird sicherlich verstärkt durch ungefähre Ahnungen, was die Zukunft noch bringen mag.

Auch der Kommentar von Professor Dr. Ansgar Zerfass in der Studie stellt fest, dass es eben nicht allein damit getan ist, dem Nutzer die Inhalte lediglich zusätzlich über einen neuen Kanal zur Verfügung zu stellen. Es ist auch Zeit für ein Umdenken in puncto Public Relations.