Nach Smartphone nun Smart-TV


Wird Fernsehen das neue Mobile?

In puncto Unterhaltung auf dem in nahezu jedem Wohnzimmer verfügbaren TV-Gerät bewegt sich nun auch hierzulande einiges. Mit Apple TV lässt sich bereits, vor allem in Kombination mit anderen Gadgets des Herstellers wie dem iPad, bequem Surfen und Filmgenuss verbinden. Internet-Dienstleister, Geräte-Produzenten oder auch Kabelnetzbetreiber interessieren sich sehr für den Markt und auch Google TV kündigt sich für das kommende Frühjahr in Europa an.

In den USA stößt Google TV noch nicht auf große Begeisterung, doch dieses Stadium sieht Henrique de Castro (Präsident Mobile, Medien und Plattformen – Google) im Interview mit Holger Schmidt (Netzökonom der FAZ) lediglich als den Anfang der Entwicklung, vergleichbar mit den ersten Mobiltelefonen vor rund 15 Jahren.

Laut de Castro wird Werbung gezielter adressiert und relevanter für den jeweiligen Zuschauer werden. Die gesamte Nutzererfahrung in seiner Kombination aus gewählten Inhalten, Nachrichten und Werbung wird somit individueller. Sieht man sich auf dem Fernsehgerät also beispielsweise die Deutschen Meisterschaften im Wellenreiten an, so würde in der Werbung auf Neoprenanzüge hingewiesen oder Reisen an entsprechende Küsten angeboten werden. Die Spots selbst, die bisher in erster Linie speziell für die lineare Ansprache eines breiten Publikums produziert wurden, können und müssen bald also in Inhalt und Länge für verschiedenste Plattformen konzipiert werden – von Anfang an cross-medial. Die Erkenntnis, dass der Klick nicht die optimale Währung zur Messung des Erfolgs der Werbeschaltung ist, sondern vielmehr ein grober Anhaltspunkt, wird sich in Zukunft mit diesem Medium zwangsläufig zusätzlich verstärken. Vor dem Fernseher ist man es eben gewohnt zu konsumieren und nicht zu klicken.

Das Ende der Set-Top-Boxen wird in diesem Interview ebenfalls vorhergesagt. Die Begründung, dass die Nutzer eher zu einem Gerät tendieren, ist dabei absolut plausibel. Je einfacher sich das Unterhaltungsequipment installieren lässt, desto besser. Vorerst konzentriert sich Google am Fernsehmarkt eher auf die Software und den Ausbau des Angebots ihrer Distributionsplattform, doch der Hinweis im Interview, dass „am Ende Hardware und Software in einem Gerät verschmelzen“ lässt tief blicken.

In meinem Haushalt hat sich bereits die optimale Kombination von Web und TV für mich gefunden, doch bin ich mir auch im Klaren darüber, dass man damit eher einer Minderheit angehört. Und auch wenn ich aktuell mit der Lösung vor meiner Couch zufrieden bin, bin ich durchaus neugierig, was sich darüber hinaus in diesem Bereich entwickelt. Würden die Geräte weiter vereinfacht, beispielsweise etliches an Gehäusen und Kabelsalat erübrigen und dazu ein System bieten, dass die Suche nach passenden Inhalten zunehmend erleichtert, wäre nicht nur ich einem Wechsel nicht abgeneigt.

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