Creative Suite 5 und die Flash IDE


Die neuen Vorzüge von Flash Builder, etc.

Im April dieses Jahres hat Adobe die neueste Creative Suite vorgestellt. Adobe hatte allen Kreativen bahnbrechende Neuigkeiten versprochen. Hier stelle ich eine sehr begrenzte Auswahl an Funktionalitäten von der Flash CS5 IDE vor.

Kurz vor der internationalen Veröffentlichung von Adobe wurde von Apple das Highlight schlechthin, den iPhone Packager, mit einer zeitlich perfekt gestalteten Aktualisierung der Nutzungsbestimmungen “nutzlos” gemacht. Dies hatte nicht nur schwerwiegende Auswirkungen für viele der damit geplanten neuen Businessmodelle, sondern hat auch den Zweikampf zwischen HTML5 und Flash ins Leben gerufen. Es wurden verschiedenste Aspekte (Mike Chambers) der beiden Technologien wie Open Web Standards, Performance, Update Zyklen, Verbreitung (Wikipedia Webkit Browsers), Interaktionsmöglichkeiten, usw. verglichen und diskutiert. Die Debatten haben sich seit einiger Zeit beruhigt. Ich persönlich möchte nicht weiter auf dieses Thema eingehen, da dies einige Blogbeiträge mehr erfordern würde. Die beiden Stichworte der letzten Monate – “Open Source” und “Mobile” wurden dadurch noch stärker ins Gespräch gebracht.
Der iPhone Packager funktioniert immer noch, jedoch können die Apps, die damit entwickelt werden, nicht über den iTunes Store vertrieben werden. Somit werden Flash Entwickler keine ActionScript-basierten Apps für den iTunes Store bauen können. Sie eignen sich nur als Testprogramme und Interaktionsexperimente und können nur auf einer begrenzten Zahl von Geräten installiert werden. ActionScript Programmierer können jetzt ihre Webinhalte für die restlichen Betriebssysteme – Android, WebOS, Symbian und BlackberryOS, deren Browser den neuesten Flash Player unterstützen, optimieren. Darüber hinaus lassen sich für diese Betriebssysteme aus derselben Umgebung mit der AIR 2.0 Plattform mit einigen Code-Änderungen auch native Anwendungen schreiben.
Beide Technologien stellen den Entwicklern neben den bekannten User-Experience Features auch Multi-Touch, Gesten, Video-Hardwarebeschleunigung und verbessertes Ressourcen-Management zur Verfügung.

 

Um diese Anwendungen schnell und effektiv zu programmieren gibt es in Flash CS5 einige hilfreiche Features. Der Snippets Panel bietet viele vorprogrammierte Verhalten, welche per Doppelklick sofort eingesetzt werden können. Wählt man zum Beispiel ein Objekt, das auf dem Desktop liegt und fügt dann ein Snippet hinzu, so wird der Codeteil auf dieses Objekt angepasst und kann dann sofort genutzt werden. Ein extrem effektives Feature für große und kleine Projekte.

Es geht weiter. Adobe ermöglicht es, eine vollständige Programmierumgebung wie Flash Builder als den primären Code-Editor zu benutzen. Im Arbeitsprozess kann man jetzt ohne Weiteres ActionScript-Klassen in Flash Builder editieren und dann aber über den Flash Compiler das Projekt exportieren. Bevorzugt man die Dokumentenklasse einer Datei nicht in Flash zu bearbeiten, legt Flash Builder die Infrastruktur eines ActionScript Projektes automatisch an. Man kann dabei alle Vorteile der Funktionalitäten in Flash Builder nutzen und dennoch über Flash kompilieren. Die Anwendung schaltet dann beim Export automatisch auf Flash um.

Seit Jahren müssen Entwickler, die in der Flash IDE stecken geblieben sind, sich teilweise ganze Klassen merken um ihre Methoden zu nutzen. Ab CS5 darf man sich über Custom Class Introspection, Code Hinting und Code Completion freuen.
Die Liste der neuen Funktionalitäten geht immer weiter. An dieser Stelle möchte ich, in Hinsicht auf die Länge dieses Beitrags, nur auf die etwas Interessanteren davon hinweisen. Mit Flash CS5 wird in dem SWF History Panel eine Liste mit den Eigenschaften der exportierten SWF Datei eingeführt. So kann man sofort erkennen, nach welchen
Schritten die Größe der Datei erheblich gestiegen ist. Diese Fälle werden explizit von der Anwendung mit einem kleinen Symbol im Panel signalisiert.
Zudem wird auch ein neues Dateiformat eingeführt – das XFL (Exploded File Format). Bis jetzt war es unmöglich mit einer dritten Software Inhalte in einer FLA Datei auszutauschen, da die Spezifikationen zu dem .fla Format nicht öffentlich waren. Das neue Format stellt eine XML-basierte Beschreibung des Projektes und allen benutzten Materialien wie Bild-, Video- und Sounddateien. Somit kann eine Versionierung und unabhängige Bearbeitung einzelner Inhalten des Projektes problemlos stattfinden, diese werden dann automatisch in der Flash Umgebung aktualisiert.

Ein weiteres Feature ist das neue Text Layout Framework. Es führt Textfeldeigenschaften wie Ligaturen, Kerning, Leading und Tracking. Der Text kann Objekte umfließen und in anderen Textfeldern weiterlaufen. Man kann in einem Textfeld Spalten einführen, Text vertikal setzen, die Leserichtung beinflussen, usw. typographische Bearbeitungsfunktionen aus Illustrator und InDesign sind somit auch in Flash CS5 vorhanden.

Mit allen neu eingeführten Funktionalitäten bietet die CS5 Version von Adobe Flash mehr als je zuvor. Der größte Durchbruch jedoch ist dem Apple Kontrahenten im Bereich Mobile gelungen. Nach einer intensiven Kooperation innerhalb des Open Screen Projektes mit mehr als 50 Partnern (darunter die BBC, Disney Interactive Media Group, Google, HTC, Intel, LG Electronics, Motorola, MTV Networks, NBC Universal, Nokia, NVIDIA, Palm, Samsung, STERN, Sony Ericsson, Toshiba, usw.) hat Adobe den ersten Schritt in Richtung einer plattformunabhängigen Entwicklung von multimedialen Inhalten gemacht.

Google sieht insbesondere viel Potential in der Zusammenarbeit mit Adobe. Das Betriebssystem für mobile Endgeräte Android 2.2 (FroYo) hat den Flash Player 10.1 installiert und wird dieses Jahr als Open Source freigegeben. Dementsprechend
kommt es als einzige Alternative zum iPhone OS bei den neuen Smartphones und Tablets zum Einsatz. Auch Chrome, den Browser von Google, sieht der Flash Player als eine Grundaustattung. Nachdem Google-TV, das auf dem webbasierten Chrome OS laufen wird, und die fehlerfreie Verbindung zwischen Chrome und allen Android Devices über Cloud-Technologien auf der Google IO Konferenz vorgestellt wurde, war ich zunächst fassungslos. Es entsteht langsam ein, im wahrsten Sinne des Wortes, neues multimediales Ökosystem.

Das Gute daran, Flash wird wohl eine wichtige Rolle dabei spielen. Im Bereich der neuen Medien und der Interaktionsgestaltung bleibt zum Glück noch etwas Zeit sich mit den Neuigkeiten auseinanderzusetzen. Dementsprechend werden die nächsten Beiträge über die Flash Plattform sich auf Inhalte für periphäre Endgeräte konzentrieren.