Verloren in einer digitalen Welt


Arbeitsfluss, Ängste, Maßnahmen

Der Titel „Lost in a digital world“ des Blog-Artikels von Seth Godin klingt mir sehr nach Tron – als würde man verschluckt zwischen Platinen und Leiterbahnen und käme wie eine Fliege nicht mehr aus der Falle. Natürlich kann es ein Zeitfresser ohne Gleichen sein, wenn frisch eintrudelnde Mails aufpoppen, das Tweetdeck permanent auf Erwähnungen aufmerksam macht oder Zwischenfragen über den Facebook-Chat beantwortet werden möchten.

Im Beitrag von Seth Godin wird unter anderem eine 14-Jährige erwähnt, die 27.000 Textnachrichten pro Monat bewältigt. Ab einem gewissen Umfang erreicht man sicherlich einen Level permanenter Ablenkung. Verfolgt man das Ziel auf allen Kanälen erreichbar und auf der Höhe zu sein, wird parallel die Konzentration auf einen klaren Punkt oder stringentes Arbeiten zur unmöglichen Mission.

Es schaltet sich in derartigen Stress-Situationen unser sogenanntes Reptiliengehirn ein, das zwangsläufig direkt auf alles Neue reagiert um blitzartig überlebenswichtige Entscheidungen treffen zu können, wie fliehen oder kämpfen. Bei manchen Mail-Anfragen fällt die Wahl sicherlich schwer, doch ist es aus meiner Sicht nicht notwendig sich dafür permanent in solch einen Alarmzustand zu versetzen.

Seth Godin empfiehlt zur Reduzierung der Ablenkung und Ermöglichung eines möglichst optimalen Arbeitsflusses unter anderem Tools, wie Freedom. Damit wird sowohl unter MacOS als auch unter Windows für bis zu acht Stunden das Netzwerk außer Gefecht gesetzt.

Da ist es noch gar nicht so lange her, dass man sich über die gelungene Einrichtung von DSL-Verbindungen, Flat-Rates und die Lieferung der vollen bestellten Bandbreite freute und nun werden Programme zur phasenweisen Abschottung benötigt. Meine erste Reaktion: Wieso schaltet man nicht lediglich für den benötigten Zeitraum Programme und Applikationen mit hohem Störfaktor ab?

Doch dann fiel mir auf, wenn man sich tatsächlich gezielt störungsfreie Zeiten setzen will, dann sind es einerseits inzwischen doch eine Menge Programme, die man abschalten muss und ich muss mir eingestehen, ich schummle. Dann lasse ich doch zumindest den Chat offen, denn es könnte ja etwas ungemein Dringendes geben, das diesen anvisierten Zeitraum nicht warten kann. Als gäbe es dafür abseits nicht auch diverse klassische Kanäle.

Also solch eine Auszeit zur stringenten Erledigung verschiedener Aufgaben ist empfehlenswert. Ängste in solch einer Offline-Phase kommen bei mir persönlich nicht auf, habe ich anderweitig jedoch bereits beobachtet. Einem Programm die Abschottung zu überlassen, dazu kann ich mich nicht durchringen. Das erledige ich dann doch lieber manuell und gestatte mir das Hintertürchen.