„Den Text hat doch ’ne KI geschrieben!“
Moderne Paranoia im Content Marketing: Wir lassen 2026 KI die Texte schreiben
Das Wichtigste zuerst: Nein, natürlich stimmt das nicht. Wir schreiben unsere Texte selbst. Ja, auch jetzt gerade in diesem Moment, während ich tippe. Aber was ich hier ins Lächerliche ziehe, ist gar nicht so weit hergeholt. Denn wenn ich einen Penny für jede „Den Text hat doch ’ne KI geschrieben!“-Anschuldigung hätte … dann hätte ich schon zwei Pennys. Und das sind zwei zu viel.
Onlinemarketing erlebt 3 Revolutionen gleichzeitig
Die Lage ist komplexer, als die meisten wahrhaben wollen. KI verändert Marketing auf drei Ebenen gleichzeitig:
- KI als Produktionsmittel: Content entsteht schneller, billiger, in größerer Menge. Hundert Creative-Varianten? Kein Problem. Dreißig Blogartikel in einer Stunde? Machbar.
- KI als Gatekeeper: Nicht mehr nur Google entscheidet über Sichtbarkeit. ChatGPT, Gemini und Co. kuratieren Antworten – wer dort nicht vorkommt, existiert für viele nicht.
- KI als Spiegel: Ohne klare Identität produziert die Maschine beliebigen Content. Sie verstärkt, was da ist. Wenn nichts da ist, kommt nichts.
Die operative Hürde ist gefallen. Wer jetzt noch glaubt, Menge schaffe Sichtbarkeit, produziert digitales Rauschen.
Hilfe durch KI: Kontext schlägt Prompt
Über 60 Prozent der Firmen sagen: Wir nutzen KI. Fragt man nach Erfolg, wird es still. Die Enttäuschung kommt schnell, wenn du ohne Kontext in ein Tool tippst und auf brauchbare Ergebnisse hoffst. Es ist wie Samen auf Beton werfen – und sich dann wundern, dass nichts wächst.
Der wichtigste Hebel ist der bessere Kontext – nicht der bessere Prompt.
Gibst du der KI ein Strategiepapier, eine Markenpositionierung, eine Tonalität – bekommst du plötzlich Ergebnisse, die sich anfühlen, als verstünde jemand deine Marke. Daraus lässt sich sogar ein Designbriefing ableiten, obwohl kein Wort über Design drinsteht. Weil Ton da ist, Haltung, Richtung.
Klingt simpel. Die Realität zeigt: Viele Marketingabteilungen wissen es nicht. Zwei, drei Leute für einen weltweit agierenden Mittelständler, die haben keine drei Wochen Zeit für KI-Experimente. Also tippen sie etwas in ChatGPT, bekommen generischen Output – und schließen daraus, KI funktioniere nicht. Der Fehler liegt nicht beim Tool, sondern bei der Marke, die sich selbst nicht kennt.
Reden ist der stärkste Input für gute Kommunikation
Noch wirksamer als jedes Strategiepapier ist etwas, das jeder kann: reden. Meeting Notes aufnehmen, laut denken, assoziieren – klingt nach Zeitverschwendung. Ist aber einer der stärksten KI-Inputs überhaupt. Im Gespräch entstehen unerwartete Gedanken, persönliche Perspektiven, impulsive Verknüpfungen. Das erzeugt eine KI allein nicht.
Ein Beispiel: Für einen Pitch nimmt ein Team ein Meeting auf. Die Notizen fließen als Kontext in eine Bild-KI. Das Ergebnis übertrifft alles, was ein generischer Prompt liefert – weil der Kontext aus einem echten Gespräch stammt. Die Kundin sagt, sie habe noch nie so treffende KI-Bilder gesehen.
Grund 3: Eine Frage der Qualität
Hier scheiden sich die Geister: Vermuten wir eine KI eher hinter Texten, die wir als besonders gut (vielleicht sogar zu gut) empfinden? Oder ist es das Gegenteil: Spricht die Oberflächlichkeit eines Textes doch eher für die Sprache einer KI? Leere Worthülsen, Wiederholungen, ein bestimmter robotischer Klang.
Tatsächlich wollen die wenigsten Kund:innen noch Interviews geben. Spart schließlich Zeit – und Geld. Stattdessen reichen wir Dokumente per Mail hin und her. Die Gefahr: Ohne echten, persönlichen Austausch bleibt der Text oft oberflächlich. Jedenfalls im Vergleich zu Texten, die auf lebhaften Gesprächen basieren. Ich muss dein Thema verstehen, deine Passion fühlen und deine Ziele kennen, bevor ich darüber schreiben kann – ohne Worthülsen und mit echter Tiefe. Das ist in einer Welt, in der sich Content nur noch schwer abhebt, wichtiger denn je.
Was KI wirklich kann (Spoiler: handwerklich gute Texte sind es nicht)
Ja, ich gebe zu, manchmal will ich mich bei dem Thema KI dramatisch auf den Boden werfen, meine Hände zu Fäusten ballen und schreien. Aber der vernünftigere Teil in mir möchte auch KI nicht grundsätzlich verteufeln. Im Gegenteil: Nutzt sie, um euch inspirieren zu lassen. Um Überschriften zu brainstormen. Um euren Text besser zu strukturieren. Um Fehler zu finden. Oder um hier und da etwas mehr Flüssigkeit in eure Sätze zu bringen. Das tun wir auch.
Wenn ihr mich fragen würdet …
… dann ist vermehrtes Misstrauen gegenüber KI gar nicht so verkehrt – manchmal jedoch an der falschen Stelle. Jetzt könnte man sagen: „Laura, vielleicht sind deine Texte auch einfach nicht so krass, wie du denkst.“ Gut, auch möglich. Aber du hast schon bis hierhin gelesen, oder? Merkste selbst.