Wissen Sie, was ein Viertelgeviert ist?


Allen, die wirklich an interessanten Beispielen für kreative Verlagsprodukte interessiert sind, empfehle ich die brandaktuelle Studie „Innovations in magazines 2010 world report“.Denn noch einmal: Es gibt nicht die eine Lösung – nicht die eine für alle Verlage und nicht die eine Lösung für den einen Verlag. Verlage müssen kreativer werden. Aus meiner Sicht sind die Anforderungen an die Verlage folgende:Unterschiedliche Inhalte für unterschiedliche Endgeräte und Print kreieren. Zentral ist die kontextabhängige / situative Nutzung der verschiedenen Medien durch die Leser, die wir in Zukunft vielleicht besser Konsumenten nennen sollten.

Neue Produkte kreieren. Erfolge, wie der von „Landlust“ beweisen, dass auch „klassische“ neue Print-Titel sehr gut funktionieren können. Aber: Wer sagt denn, dass neue Verlagsprodukte auch immer als Print-Version existieren müssen?

Für die Produktion von ganz verschiedenen Inhalten für ganz verschiedene Endgeräte werden natürlich die Produktionsprozesse noch komplexer und es müssen neue Software-Systeme und Tools in den Produktionsprozess eingebunden werden.

Vor allem aber muss endlich das Lamentieren aufhören. Ich möchte gern einmal in die Geschichte des deutschen Verlagswesens zurückblicken und an folgendes erinnern:

Keiner der Verleger, die nach dem 2. Weltkrieg –  ausgestattet mit einer Lizenz einer der Militärbehörden – einen (Neu-)Anfang gestartet hat, hatte die Garantie auf Erfolg. Ich vermute, dass die stärkste Triebkraft vor allem Leidenschaft für das Geschäft war.

In den 80er und 90er Jahren war die Print-Industrie schon einmal einer großen Krise ausgesetzt. DTP und später datenbankgestützte Redaktionssysteme haben die Produktionsprozesse total verändert. Ich war selbst dabei, als bei einem Tageszeitungsverlag Anfang der Neunziger Jahre von Bleisatz auf datenbankgestütztes Publizieren umgestellt wurde. Es war erstaunlich, wie schnell die Setzer, von denen manche vierzig Jahre lang Zeitungsseiten mit Bleilettern in Holzsetzkästen gesetzt hatten (übrigens spiegelverkehrt!), gelernt haben, mit einem Mac und einem Layout-Werkzeug umzugehen.

Deshalb noch einmal mein Appell: Die aktuelle Situation der Verlage ist nicht einfach, aber auch nicht verzweifelt. Mit mehr Leidenschaft, Mut und vor allem Lust zum Querdenken lässt sich sicherlich (immer noch oder wieder) viel erreichen.