Thesenwut zum Thema Journalismus


Das erste Metamanifest zum Thema: Medien

In den letzten Wochen stolpere ich vermehrt über neue Leitlinien, Thesen, Manifeste und nun auch über 22 neue Regeln für den Journalismus (natürlich inzwischen auch zusammengefasst und übersetzt). Es scheint auch tatsächlich mehr zu sein als meine bloße berufliche Sensibilisierung; Journalismus und PR / Marketing sind Felder, für die nun immer mehr Leitfäden, Anleitungen oder gewünschte Mustervorgaben auftauchen. Der Bereich der Öffentlichkeitsarbeit versucht selbstverständlich aktuell die neue Vielfalt und direkteren Wege zu fassen und zu nutzen. Die Redaktionen stehen meines Erachtens vor vielschichtigeren Motiven für Regelwerke.

Einerseits hat sich die Medienwelt so sehr und vor allem so schnell gewandelt, dass einigen ganz schwindelig wird und somit der Wunsch nach einem Rahmen, an den man sich halten kann, natürlich immer lauter wird. Die grenzenlose Freiheit der neuen Möglichkeiten, den Nutzer zu erreichen, wurden erforscht und machen vielen auch immer mehr Lust auf weitere grenzenlose Erprobung, doch offensichtlich ist nun die Zeit für Spielregeln gekommen.
Auf der anderen Seite ist da die Flut an Material der unterschiedlichsten Qualität; ausgerüstet mit feinen Gadgets wie zum Beispiel der Flip, werden Redakteure losgeschickt. Allerdings fehlt im Vorfeld oft eine Schulung oder zumindest Kurzeinweisung. Etliche lassen sich dann dazu hinreißen möglichst schnell sehr viel Content zu generieren, so dass es für den Leser immer schwieriger wird, aus der Fülle die gewünschte und verlässliche Information zu filtern. So schreien inzwischen nicht nur die Hersteller sondern auch die Konsumenten nach diesen Regelungen.

Die eingangs erwähnten 22 neuen Regeln enthalten wichtige Vorschläge (4, 9, 12, 15, ) und natürlich auch Grundsätze (Punkt 1, 7, 8, 10, 11, 13, 14, 17, 22), die eigentlich selbstverständlich sein sollten, aber ebenso Absätze (2, 3, 5, 19), die man mit der Idee „News in progress“ abdecken könnte.
Damit wäre dem Journalisten etwas Entlastung und Unterstützung geboten, so dass eventuell etwas mehr Zeit für die Absicherung der gelieferten Informationen, die ihm natürlich weiterhin obliegt, bleibt.

Sicher hat Dan Gillmor in seiner langen Berufserfahrung etliche Gründe und Beispiele gesammelt, die den Ausdruck „Faulheit“ rechtfertigen, dennoch finde ich es heutzutage sehr hart diesem doch stark geforderten Berufsstand solch barsche Worte vorzusetzen.

 

Nun gut, war wohl bloß etwas provokant und reißerisch formuliert. Daher mit einer ganz alten Weisheit ausgedrückt; aus einer Mücke doch bitte keinen Elefanten machen.