Stiefkind eBook


Weshalb stockt der Markt für elektronische Bücher in Deutschland?

Sicher, meine Recherche für die Weihnachtszeit beginnt dieses Jahr früh. Besondere Geschenke, wie zum Beispiel die Erwägung eines Kindle, erfordern jedoch ebenso besondere Vorbereitung:
Lohnt sich das teure Gerät für das bestehende Angebot?

Bei Spiegel ONLINE wurde gerade sehr ausführlich aufgeschlüsselt, weshalb der Handel mit eBooks aktuell noch nicht so richtig in Schwung kommen mag. Für diejenigen, die nicht ganz so viel Zeit haben, die mehrseitige Abhandlung durchzugehen, gebe ich die Problempunkte mal in Kürze in meinen Worten und aus meiner Sicht wieder:

Im Vergleich zur Musikindustrie fehlt in den Haushalten das Äquivalent zu den vorhandenen CD-Archiven. Schaffte man sich einen MP3-Player an, konnte man gleich eine Reihe Sicherungskopien auf das Gerät spielen und hatte sofort eine Auswahl, für die sich die Anschaffung lohnte. Da auch aktuell einem gekauften Print-Roman keine digitale Version beiliegt, bleibt es erst einmal bei einer extrem geringen Auswahl, die die Attraktivität des digitalen Lesens für interessierte Kunden nicht gerade steigert.
Natürlich hat sich aus diesem Grund auch so mancher die Mühe gemacht, selbst Lesestoff zu digitalisieren und so entwickelten sich beinahe zwangsläufig illegale Bibliotheken, aber auf die möchte ich hier gar nicht näher eingehen. Ebenso wenig auf das Angebot von Libreka (Suchmasche des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels), denn dort findet man zum Beispiel nicht annähernd die Hälfte der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste, insgesamt taucht dort überhaupt nur 1,5 Prozent der gedruckt lieferbaren deutschen Bücher auf.

Die herrschende Buchpreisbindung ergibt zudem für die möglichen Nutzer ein inkompatibles Preismodell, das den teuren Anschaffungskosten für ein entsprechendes Gadget noch identische Ausgaben zum Papiermodell für die einzelnen Exemplare folgen lässt. Sicher begründet sich dieser Preis hauptsächlich auf den inhaltlichen Wert des Werkes, doch ein Teil dessen müssen doch Herstellungskosten sein, die in elektronischer Form einfach ungerechtfertigt sind.
Für die Musikindustrie hat eine Überarbeitung der Preismodalitäten für rein digitale Angebote jedenfalls für großen Anklang gesorgt.

Zu allem Übel sind dann noch so viele unterschiedliche eBook-Formate im Umlauf, dass die Entscheidung für ein passendes Gerät sehr sorgfältig recherchiert und überlegt sein will. Finde ich für diesen Apparat das Genre, das mich interessiert auch in der passenden Form? Wird eventuell in absehbarer Zeit ein interessanteres Modell erscheinen, für das ich meinen Bestand nicht konvertieren kann? Wie solide ist die Funktionalität – steht mit einer Fehlfunktion der Verlust der gesamten Sammlung auf dem Spiel?
Und á prospos Sammlung: Der ein oder andere brüstet sich ja gern mit seiner großen Bücherwand oder gar Bibliothek. Daher wird einigen die Wahl zwischen gedruckter und digitaler Version schwer fallen. Ein kombiniertes Angebot wäre daher auch aus dieser Sicht sicherlich reizvoll.

Erschwerend kommt dann der stark verbreitete DRM-Kopierschutz hinzu, der das Lesen auf diversen Geräten unmöglich macht. Es schließt die gerade auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellten neuen Lesegeräte und, als Krönung der Inkompatibilität, auch das iPhone aus.

Um nun ein letztes Mal und abschließend auf das Beispiel des Musikhandels zu verweisen;

  • eine Bündelung des Angebots, das inzwischen auch beinahe lückenlos ist,
  • ein faires Preismodell,
  • eine Reduzierung des Kopierschutz,
  • sowie ein einheitliches Format,

lassen den Gedanken an anderweitige Beschaffungsmaßnahmen offensichtlich in weite Ferne rücken.

 

Dieses Geschenk hat sich mit dem verbundenen Angebot jedenfalls vorerst für mich disqualifiziert. Schade!