Social Media gibt es nicht in One Size


Netzwerke und neue Kommunikationskanäle müssen individuell angepasst sein

Totgesagte leben länger? Nein, das ist kein Gegenstatement zur Vorhersage des Untergangs oder der Ankündigung einer bald platzenden Hype-Blase, sondern eine Relativierung.

Gerade finden immer mehr Firmen den Weg in die sozialen Netzwerke und neue Kommunikationskanäle. Sie orientieren sich, investieren, ermitteln die Wege, die für sie nützlich, gut integrierbar und praktikabel sind und dann kommen derart verwirrende Ankündigungen. Da die Ergebnisse zudem schlecht messbar sind, macht sich nach solchen Aussagen zwangsläufig Verwunderung breit.

Wenn sich doch bloß der ROI einfacher messen lassen würde. Doch worin besteht die Investition genau? Facebook, Twitter und LinkedIn sind auf den ersten Blick kostenlose Tools. Aber wenn man sie professionell einsetzen will, ist das Gegenteil der Fall. Die verborgenen Kosten können schnell mal unterschätzt werden. Nur „ein wenig Manpower“ einzusetzen reicht nicht aus. Es muss auf jeden Fall auch ein Budget dafür eingeplant werden.

Twitter-Mitbegründer Dom Sagolla behauptet, dass ein bis zwei Tweets am Tag genügen. Also 280 Zeichen. Das sollte nicht so viel Zeit kosten, könnte man denken. Jedenfalls wenn man schnell und unterhaltsam schreiben kann. Und Themen hat. Aber dann hat man noch keine Interaktion. Außerdem gehören Retweeten, Replyen und DMs verschicken auch zum Verwalten eines Twitter-Accounts. Und dann muss man auch noch für die Follower sorgen und interessanten Tweeps folgen.

Hinzu kommt das Bloggen. Zwei oder drei Blogeinträge pro Woche sind eine ordentliche Richtschnur für einen Corporate Bog. Auch wenn man es gewohnt ist, viel zu schreiben, muss man auch nach Ideen suchen und abwägen, ob sie interessant genug sind. Und damit ist auch noch nicht die Community bei Facebook gemanagt oder an Diskussionen bei Xing oder LinkedIn teilgenommen.

Die sozialen Netzwerke zu bespielen ist heute eine Tätigkeit, die meist jemand neben seiner normalen Arbeit erledigt. Und wenn man sich inspirieren lassen will, hilft der volle Terminkalender nicht gerade. Dazu muss man sich den Kopf frei machen. Auf Reaktionen lauschen und antworten gehört darüber hinaus ebenfalls dazu.

Vor allem der interaktive Teil ist für viele Firmen neu. Wie reagiert man, und worauf? Meiner Meinung nach müssen Firmen jederzeit auf Berichte zu ihren Aktivitäten reagieren, beispielsweise auf Beschwerden, und auch die Berichte über ihre Konkurrenten verfolgen.
Die besondere Herausforderung bei Social Media besteht hierbei darin, dass unterschiedliche Bereiche, wie Costumer Support, PR, Brandmanagement, Produktentwicklung oder Human Ressources angesprochen werden und unterschiedlich bedient werden müssen. Zudem erfordern dann beispielsweise Grenzbereiche unter den Abteilungen, die in den User-Kontakt involviert sind, zusätzlich Flexibilität in der Frage „Wer antwortet?“.

Wenn wir den ROI des Social Media berechnen könnten (sicher Ansätze in der Richtung sind da), sobald der Punkt geklärt ist, dürfte meiner Meinung nach die Diskussion um die Lebendigkeit dieses Marketingzweigs schnell beendet sein.
Die neuen Kanäle und Plattformen, die sich nun allgemein in Marketing-Strategien als feste Instrumente integriert haben, gibt es, wie die meisten guten Lösungen, eben nicht von der Stange. Und so gestalten sich die Erfolgsmeldungen gleichfalls individuell.

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