Was bleibt nach dem Hype?


Die Kerngröße von Pinterest

Im Februar war eine der großen Schlagzeilen die 3000% Steigerung der Plattform Pinterest. Dass sich allerdings Statistiken nach Blickwinkel und Zeitraum je nach gewünschtem Schwerpunkt vorteilhaft auswerten lassen, ist nichts Neues. Diese großartigen Zahlen waren dafür mal wieder ein passendes Beispiel. Denn das Webangebot der Landeswelle Thüringen beispielsweise lag in seiner Popularität hierzulande gleichauf, wie in einem Artikel bei Social Midas (inzwischen offline) sehr unterhaltsam verglichen wurde.

Im Anschluss an diese Meldungen, die Tag für Tag das schier grenzenlose Wachstum verkündeten, wuchs die Anzahl meiner Follower bei Pinterest ebenfalls Tag für Tag und das obwohl ich dort seit dem Tipp einer Kollegin vergangenen Oktober nicht mehr eingeloggt war und inzwischen natürlich massive Probleme hatte, mich überhaupt an mein Passwort zu erinnern. Trotzdem musste ich dort natürlich auch mal wieder vorbeischauen, denn so viele Besucher können doch nicht irren. Und so habe auch ich wieder gepint – oder vor allem repint – und versucht, es für eine Weile in meine Abläufe zu integrieren, um den Nutzen des Angebots für mich zu ermitteln. Doch mit der Zeit fällt mir dann auf, dass der Button, den man sich für den jeweiligen Browser zum pinnen einrichten kann, bei mir schon wieder lange ungenutzt ein Schattendasein führt. In solchen Augenblicken besuche ich die Seite dann wieder und finde auch etliche spannende, schicke, witzige Dinge. Allerdings findet die Nutzung des Angebots einfach keinen Platz in meinem üblichen Ablauf und für den Button entwickelt sich bei mir eher eine Art Schuldgefühl, dass ich ihn lange Phasen so unbeachtet hängen lasse.

Doch das liegt sicherlich daran, dass ich aktuell eher selten Dinge kreiere, die sich schick fotografieren lassen und zudem dann noch (zumindest nicht sofort) für die breite Öffentlichkeit bestimmt sind. Oder quasi auch nur selten das Bedürfnis habe, an einer Pinnwand in Bildform Ideen, Rezepte oder Inspirationen festzuhalten. Zu dem Zweck sammle ich Links und die möchte ich ordentlich sortiert und klar aufbereitet haben.
Die Pinwände anderer schaue ich allerdings sehr gern durch und es lässt sich gut nachvollziehen, dass man mit Eifer dort die schönsten Dinge festnagelt. Der Mensch ist nunmal ein Augentier – der Nerv ist gut getroffen (auch nach dem Redesign noch).

Der Besucher-Peak bei Pinterest beinhaltete natürlich etliche Leute, die durch die häufige Erwähnung sich ebenfalls mal ein Bild von dem neuen großen Ding machen wollten, sich angemeldet haben (beziehungsweise jemanden gesucht und gefunden haben, der sie einlädt) und dann nur je nach Gefallen und persönlicher Eignung wiedergekehrt sind. So flacht die Zuwachs-Kurve selbstverständlich mit der Zeit wieder ab.
Der Peak reichte jedoch bereits, um Twitter als Traffic-Lieferanten zu überrunden und wie bei anderen Social Media Angeboten unterstützende Anwendungen wie Pinerly entstehen zu lassen.

Von dieser bildlastigen Plattform profitieren Angebote, die sich optisch gut darstellen oder bereits selbst bildlastig sind. Laut Umfragen kauft jeder fünfte Nutzer etwas, dass er auf Pinterest entdeckt hat. Wobei man (oder besser gesagt frau, denn im Schnitt sollen die Nutzer überwiegend weiblich sein) sich meist für Kleidung, Lebensmittel oder Dekoratives entschied. Aber auch diverse Special Interest-Themen bedienen über diesen Weg hervorragend ihre Nischen.

Hierzulande ist man eventuell auch noch reichlich zurückhaltend, weil Pinterest permanent zum Thema Urheberrechtsverletzungen in den Schlagzeilen ist. Die Nutzer kopieren häufig mit einem Pin ein fremdes Bild und seltener eigene Kreationen. Das verunsichert viele in der Anwendung doch sehr.

Ich werde – trotz schlechtem Gewissen – dem Button in meinem Browser immer mal wieder eine Chance geben. Die Optik und Idee gefällt mir und wer weiß, vielleicht schwinge ich demnächst doch wieder den Pinsel, stricke oder backe und dann steht die perfekte Plattform schon parat – und dann vielleicht mit noch mehr Menschen, die liken und repinnen.