Offensichtlich für mich – erstaunlich für andere


Eine Theorie von Derek Sivers

Derek Sivers, unter anderem Gründer von CD Baby, beleuchtete in seinem Blog gerade sehr schön nachvollziehbar, wie unterschiedlich die meisten Menschen die eigenen Gedanken im Vergleich zu den Ideen anderer betrachten.

Er beschreibt diesen Gedanken, den jeder Urheber kennt, wenn er die hervorragende Arbeit eines anderen wahrnimmt: Unerwartete, überaschende Ideen – einfach perfekt. Die eigenen Gedanken dagegen scheinen so offensichtlich und die anderen sind so genial, einfallsreich und erfinderisch.

Sivers beschreibt, dass ihn dieses Gefühl sehr häufig beschleicht, speziell in Bezug auf Musik, Bücher oder auch einfache Gespräche. Doch so sehr er auch in Erstaunen oder sogar Ehrfucht versetzt wurde durch die neue, verblüffende Eingabe, lässt er sich nicht beirren und arbeitet weiter. Er erzählt seine kleinen Geschichten und teilt dazu seine ganz gewöhnlichen, unspektakulären Ansichten.

Eines Tages erhielt er eine eMail mit der Frage, wie er auf diesen genialen Gedanken kam. Sivers widersprach und erklärte, es wäre nichts Besonderes. Doch im Anschluss realisierte er ganz klar: Jedem erscheinen die eigenen Gedanken offensichtlich.

Viele Songwriter würden in Interviews beschreiben, dass sie ihren eigenen erfolgreichsten Hit im Vorfeld eigentlich für dumm und nicht aufnehmenswert hielten.

Also zieht Derek Sivers das Fazit, dass wir unsere eigenen Kreationen nicht besonders gut beurteilen können. Wir sollten sie einfach veröffentlichen und die Welt darüber entscheiden lassen.

Es wäre doch zu schade, wenn jemand etwas Wichtiges zurückhält, nur weil er es persönlich nicht als wertig genug erachtet, es mit anderen zu teilen.

Allerdings kann ich mir vorstellen, dass der ein oder andere Gedanke auch zurückgehalten wird, mit der Befürchtung er könnte bei anderen anecken. Daher will ich Sivers Aufforderung unterstützen mit: Richtig, nur Mut! Und dazu ein Zitat von Bruce Lee ergänzen:

„Wenn du kritisiert wirst, dann musst du irgend etwas richtig machen.
Denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat.“