Man hat mich ausgetrickst!


Geschicktes Gender-Marketing

Das Heimwerken gehört, wie bereits erwähnt auch gern mit großen Maschinen, zu meinen Leidenschaften. Beim Bezug eines Neubaus gibt es diesbezüglich auch keine Klage über einen Mangel an Aufgaben und ich kokettiere natürlich sehr gern damit, dass ich diese Vorliebe nicht mit der Mehrheit meiner Geschlechtsgenossinnen teile.

Als ich gerade meinen Zaun aufstelle, schaut mir einer meiner neuen Nachbarn auf die Hände und ruft amüsiert aus: „Ach, ein Mädchen-Akku-Schrauber!“ Verblüfft und leicht verärgert halte ich meinen geliebten Allroundhelfer Ixo von Bosch in die Höhe. Handlich, praktisch und in der Neu-Auflage auch leistungsstark, nur ist er, ganz konträr zu seinen üblichen Kollegen, sehr klein, so dass er ohne Winkelaufsatz in jeder Ecke einsetzbar ist. Allerdings ist er weder pink noch rot sondern in den Bosch-üblichen Grau- und Grüntönen gehalten.

Nun hat mich diese Bemerkung nicht losgelassen und ich habe recherchiert, ob das gute Stück eventuell doch für ein spezielles Klientel aufgelegt wurde. Und was muss ich unter FAZ.net entdecken? Mit dem Kauf dieses Geräts finde ich mich in der Kategorie „sporadische Heimwerker“ wieder. „Sporadisch“, so so.
Diese Zielgruppe bevorzugt laut Marktforschung bei Bosch kompakte Elektrowerkzeuge ohne viele Extras, ist überwiegend weiblich, lehnt frauenspezifische Produkte aber ab. Inzwischen ist dieses Modell das meistverkaufte Elektrowerkzeug der Welt und nun die große Überraschung: Er wird zur Hälfte von Männern gekauft. Da hat sich also letztendlich einfach etwas enorm Praktisches durchgesetzt.

Da bin ich jahrelang der Meinung mich erfolgreich von der Masse abzuheben und muss nun entdecken, dass die vermutete Nische doch viel größer ist als angenommen. Nun kann ich mich natürlich über die vielen Gleichgesinnten freuen, die dort draussen unerwartet existieren, doch trotzdem habe ich ganz dezent meinen Metabo Bohrhammer neben die Ixo an den Zaun gelehnt. Damit doch kein falscher Eindruck entsteht.