Wie gelangt die Magie von Printprodukten ins Digitale?


Quintessenz des Vortrags „App Design for Paid Content: Erfolgsfaktoren für Medien-Apps am Beispiel der iPad-App der ZEIT“

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Tageszeitungen, Magazine oder auch Bücher zusätzlich zu ihrer Papierform auch für digitale Umgebungen produziert. Zur Herangehensweise an zwei solcher Projekte in unserem Haus hielt ich letzte Woche auf der 4. Paid Content Konferenz „Mehr Cash durch Optimierung – Wie können Verlage ihre Digitalerlöse steigern?“ einen Vortrag mit dem Titel „App Design for Paid Content: Erfolgsfaktoren für Medien-Apps am Beispiel der iPad-App der ZEIT“.

Mein Vortrag handelte von der ZEIT iPad App, der ZEIT Web-App und drehte sich im Kern um drei Themen:

  1. Wie kann man ein gedrucktes Qualitätsprodukt in die digitale Welt transformieren, ohne die »Magie« einzubüßen?
  2. Wie betreibt man effizient eine permanente Produktion von Ausgaben und erhält sich die Individualität?
  3. Welche Technologie ist im App Markt die richtige für welches Geschäftsmodell?

1.
Um ein Produkt wie DIE ZEIT, ein hochwertiges Sachbuch oder ein Magazin auf die neuen Lesegeräte zu bringen, muss man die verschiedenen Stakeholder in einem Verlag an einen Tisch bekommen. Ihre Aufmerksamkeit und Motivation vorausgesetzt, kann durch einen extern moderierten Prozess etwas Neues entstehen, ein Produkt, das es vorher noch nicht gab und das Kunden kaufen. Etwas, das den spürbaren Unterschied hat und Menschen zu Aussagen motiviert, wie »die mit Abstand beste App einer Zeitung«. In Workshops, die in kurzer Folge – zum Beispiel Woche für Woche – abgehalten werden, wird ein Konzept und eine Gestaltung entworfen, die dann in einer Umsetzungsphase realisiert wird. Wenn einmal eine Gruppe hinter ein Projekt gebracht wurde, helfen die Personen auch mit, im späteren Betrieb das notwendige Engagement aufzubringen, das für etwas wirklich Neues notwendig ist.

2.
Im Betrieb geht es dann um Effizienz. Nur wenn möglichst viele Aspekte – also mindestens 80% – eines Systems automatisch funktionieren, kann man sich manuell um die Optimierung der restlichen 20% kümmern. Hier entscheidet sich langfristig die Kundenzufriedenheit und damit der eigentliche Erfolg des Projektes. Bei aller Automatisierung muss genug (technischer) Spielraum für individuelle Ideen sein. Das macht modernes Publizieren aus. Wer hingegen für die Basisarbeit schon sein Budget aufbrauchen muss, hat das falsche System. Überhaupt: »it’s the technology, stupid« könnte man sagen.

3.
Die richtige Technologie für die richtige Aufgabe. Wer unbedingt neue Kunden haben will für sein Produkt, also Nutzer, die über die bekannten Kanäle nicht zu erreichen sind, muss fast zwangsläufig eine iOS-App entwickeln. Nur im App Store von Apple gibt es genug zahlungswillige Kunden. Wer etwas für seine Bestandskunden tun will, wird eher auf ein Web-App-Modell setzen, um eine möglichst hohe technische Reichweite zu erreichen.
In jedem Fall sollten die weit verbreiteten Technologien HTML5, CSS3 und Javascript eine Rolle spielen, denn sie garantieren eine hohe Kompatibilität mit dem, was noch kommen kann.

Das Fazit: Die Appconomy ist eine riesige Chance für Verlage aller Art. Wenn sie mutig neue Wege gehen, können sie zu den Gewinnern der digitalen und mobilen Revolution gehören.