iPad: Gedanken zu Anwendungen im Verlagsumfeld


Seit zwei Wochen ist das iPad in Deutschland offiziell im Handel.
Wir haben selbst Erfahrungen in ersten Projekten gesammelt und uns natürlich auch diverse Applikationen aus dem Verlagsumfeld angeschaut.

Grund genug unsere Gedanken zu diesem Thema einmal zusammenzufassen.

Das Erlebnis
Alle sprechen von neuen Erlebnissen. Das muss nicht heißen, dass jeder Verlag nun Videos braucht oder Animationen. Denn das iPad bietet Erlebnisse schon eingebaut.
Eine gute und schlichte Anwendung mit interessanten Inhalten in Textform kann völlig ausreichend sein.

Context is King
Es wird von großer Bedeutung sein, den Kontext der Nutzung zu berücksichtigen.
Eine Verlagsanwendung für das iPad sollte ein Anfang und ein Ende haben. Denn wer auf dem iPad die endlose Vielfalt oder Aktuelles sucht, kann damit auch wunderbar im Internet surfen. Eine App ist für die Couch oder eine längere Zugreise.

The rebirth of DTP
Wer denkt, er könne nur mit dem Wissen um das Web und langer Online-Erfahrung eine gute App für das iPad bauen, irrt. Durch die große Fläche ist das iPad eher wie digitales Papier als eine Surfstation. Blattmacher, Layouter und Journalisten sind gefordert, Inhalte anders zu denken – mit Unterstützung der digitalen Fachwelt.
Die Qualität einer Anwendung auf dem iPad entsteht eher durch Wissen um Layout, Fotografie und Typografie und den alten Werten der „Zeitungsmacher“.

Typografie und Grafikdesign
Das Web ist ein Trauerspiel für Typografen. HTML ist eben nicht gemacht für filigrane Typografie die plattformübergreifend hochwertige Ergebnisse ermöglicht, wenn man einmal von Flash absieht. Das iPad mit seinem scharfen Bildschirm schreit geradezu nach gut gestalteten Texten.
Dabei muss man jedoch von Beginn an eine Sache berücksichtigen: Das iPad kann man drehen! Der Nutzer erwartet, dass ihm die Inhalte in jeder Betrachtungsart optimiert dargestellt werden.

Don‘t make me think
Einige Magazine versuchen neue Wege zu gehen, was dem neuen Medium Tablet angemessen scheint. Doch manche schießen über das Ziel hinaus und überfordern die Nutzer mit neuen Bedienkonzepten, die keiner versteht.
Sicherlich müssen die User und Designer erst einmal lernen, wie etwas auf einem so großen Touchscreen funktionieren kann. Doch die Usability-Fehler der Jahrtausendwende müssen eigentlich nicht wiederholt werden. In der Zusammenfassung des iPad Usabilitytests von Jakob Nielsen wird veranschaulicht, was damit gemeint ist. 
Was passiert z.B. wenn ich in einer Anwendung auf dem iPad auf ein Bild tippe?

  • Nichts.
  • Das Bild wird vergrößert.
  • Es öffnen sich weitere Navigationsmöglichkeiten.
  • Es verlinkt zu detaillierten Inhalten.
  • Das Bild dreht sich und es erscheinen weitere Inhalte an der Stelle.

Es gibt keine Antwort, denn schnell wird deutlich, dass in diesem Bereich die Erfahrungswerte fehlen. Apple bietet jedoch eine Menge an Know-How in seinen Guidelines, die man getrost nutzen kann, um die gröbsten Usability Fehler zu vermeiden.

Fazit
Das iPad ist ein tolles neues Medium zur Präsentation verschiedenster Inhalte. Jedoch sollte man schnell davon Abstand nehmen, es handle sich um ein großes iPhone oder eine neue Art von Laptop. Das iPad folgt eigenen Regeln.