Gastbeitrag und Kommentar zum Bericht der Digital Innovator‘s Summit


Auf den Beitrag von Petra Kischkat erreichte uns eine spannende E-Mail, die wir gerne als Gastbeitrag – mit Einverständnis des Autors – in unseren Blog aufnehmen.

Ja, ist es denn ein Zufall, dass ausgerechnet einen Tag später die Ankündigung von vier neuen Zeitschriften (One-Shots) des Burda-Verlags in mein Outlook flattert? In der Tat, der von Ihnen zitierte Appell „Create experiences for your customers“ bringt die Perspektive des Zeitschriftenmarktes auf den Punkt.
Einerseits zeigt er auf, dass Print-Marken den Eventcharakter im Sinne der Erfahrbarkeit durch den Kunden bislang ziemlich verschlafen haben. Andererseits bleibt der Hinweis auf eine definitiv digitale Zukunft als Voraussetzung für das Event „Zeitschrift“ aus – zu Recht. Sonst würde man sich mit der „Digitalisierung um jeden Preis“ scharf am Rande eines Patentrezeptes bewegen, was, wie Sie richtig bemerken, auf jeden Fall zum Scheitern verurteilt wäre. Zu Guter Letzt versteckt sich in dem Appell auch die Aufforderung zur unbedingten Beibehaltung des Paid-Content Gedankens, denn für „experiences“ zahlen die Menschen gerne.

Den Appell im Hinterkopf greife ich die Ankündigung von Burda wieder auf. Die Entwicklung des Schnittmustermagazin „Easy“ für die „Generation Facebook“ als Abschlussarbeit der hauseigenen Journalistenschule, generiert sicher einige originelle Ideen. (Bleibt nur zu hoffen, dass die Macher danach auch vom Verlag übernommen werden.) Aber bei „Anton“, dem neuen Frauenmagazin der Best-Ager krusseln sich mir die Zehennägel. „Anton ist die Antwort auf die Fragen, die sich Frauen irgendwann jenseits der 50 stellen.“ „Irgend…“, das Synonym für Rat-und Planlosigkeit fällt für mich dabei noch nicht mal so ins Gewicht, wie die Annahme, dass Frauen jenseits der 50 bislang noch keine Antworten auf die Fragen des Lebens erhalten haben. Beim ebenfalls angekündigten jungen Erotikmagazin „Alley Cat“ frage ich mich dann aber doch, ob hier der Begriff „jung“ nicht schon vorweg als Entschuldigung dafür missbraucht wird, dass man evtl. doch nicht die erste oder zweite Riege renommierter Erotikfotografen für das Projekt gewinnen konnte. Aber vielleicht überrascht das Magazin ja mit… wirklich interessanten Reportagen, welche die jungen Leute von heute so bewegen.

Ihrem Fazit stimme ich zu. Beratung tut vielerorts Not und warum auch nicht wahrnehmen? Beratung von Fachleuten aus der digitalen Branche und/oder der Markenwelt einzuholen ist keine Schwäche, sofern man sich nicht wehrlos alles aufschwatzen lässt und keine klaren Vorstellungen von seiner Botschaft und seinen Zielgruppen hat. Aber zu glauben, Zeitschriften würden ewig leben – zumindest im Rahmen marktwirtschaftlich relevanter Auflagenzahlen – scheint mir genau so töricht, wie der immer noch bestehende Irrglaube der Musikindustrie, das Produkt Tonträger würde ewig leben. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Norbert Diedrich (Nordbergh)