Interview

Jens Tittmann, seit 2008 Geschäftsführer der Bremer WESER-KURIER digital GmbH, hat das Projekt aditory von artundweise von Beginn an verfolgt und die Integration vorangetrieben. Hier lesen Sie ein Interview, dass wir im April 2010 mit Jens Tittmann geführt haben.

artundweise: Herr Tittmann, im letzten Jahr haben Sie mit dem Relaunch Ihres Online-Portals Weser-Kurier.de einen entscheidenden Schritt in Richtung ,Local First‘ vollzogen. Wie kamen Sie zu der Entscheidung, Ihren Fokus auf lokale Inhalte (Nachrichten und Services) zu richten?

Jens Tittmann: Unsere lokalen Inhalte sind das Gesicht unserer Zeitung. Hinsichtlich allgemeiner Sparten wie Wirtschaft oder Politik stehen wir in Konkurrenz mit beispielsweise Spiegel Online und ähnlichen Portalen. Da stellt sich gar nicht die Frage, ob wir mithalten können. Der USP von Weser-Kurier.de ist der gesamte Bereich in und um Bremen. Hier sind wir stark und einzigartig – in allen Belangen der Berichterstattung und Services.

artundweise: Als logischen Folgeschritt planen Sie nun die verstärkte Vermarktung von Werbeplätzen mit starkem lokalem Bezug. Warum setzen Sie dazu die Softwarelösung aditory von artundweise ein?

Jens Tittmann: Wir setzen die Softwarelösung von artundweise ein, weil wir hier mehrere positive Aspekte sehen:
Zum Ersten waren wir an der Konzeption und Entwicklung von aditory selbst beteiligt. Wir konnten also unsere Ideen unmittelbar mit einfließen lassen.
Ein zweiter entscheidender Aspekt ist, dass das Tool sehr einfach und intuitiv bedienbar ist. Das heißt, ich kann es auf der einen Seite unserer Vermarktungsmannschaft zur Verfügung stellen, ohne viel Geld und Zeit in breit angelegte Schulungen stecken zu müssen. Auf der anderen Seite erhoffe ich mir kurz- bis mittelfristig, dass auch Einzelhändler dieses Tool selbst bedienen. Ob ich jetzt eine Anzeige bei eBay oder über aditory auf Weser-Kurier.de schalte, ist vom Bedienungskomfort her so ziemlich das Gleiche. Deshalb erwarte ich, dass wir online Vermarktungspotenzial gewinnen, ohne ständig die ganze Verkaufstruppe auf die Straße schicken zu müssen, was die Erlöse in diesem sublokalen Bereich niemals wieder reinspielen könnte.

artundweise: Sie sitzen im Beirat der Online Marketing Service GmbH & Co. KG (OMS), des größten Online-Vermarkters von Tageszeitungsportalen. Sehen Sie in diesem neuen Geschäftsmodell keine Konkurrenz zur OMS?


Jens Tittmann: Auf keinen Fall, die OMS ist für die überregionale Vermarktung da. Wir haben hier sogar im Gegenteil eine wunderbare Ergänzung: Auf der einen Seite die sublokale Vermarktung durch aditory und auf der anderen Seite die nationale und überregionale Vermarktung durch die OMS. Und in der Mitte – auch als Schnittstelle zu betrachten – unsere eigene Verkaufsmannschaft, die die lokalen Premiumkunden betreut.

artundweise: Glauben Sie, dass Sie mit Ihrer “alten” Vertriebsmannschaft sowohl alte als auch neue Anzeigenkunden für das Thema Online gewinnen können?

Jens Tittmann
: Den Begriff “alte” Vertriebsmannschaft möchte ich so nicht stehen lassen! Unsere Vertriebsmannschaft vermarktet unsere Tageszeitung erstklassig. Ich bin mir sicher, dass man Anzeigenkunden für das Thema Online gewinnen kann. Viele Kunden kommen von sich aus mit der offensiven Ansage, zusätzlich Online schalten zu wollen. Ein Vertriebskanal wie aditory ist optimal dazu geeignet, die Vermarktung zu erweitern und Akzeptanz beim Kunden zu schaffen. Zumal dort nach dem gleichen Prinzip geschaltet wird wie in Print – keine Rotation, sondern Festplatz-Vermarktung. Darüber hinaus kann der Kunde bei Bedarf die Schaltung selber festlegen – ein Aspekt, der vor allem bei zeitlich begrenzten Kampagnen effektiv zum Tragen kommt. Gerade in diesem Punkt sind wir überzeugt, Neukunden zu gewinnen und der Printausgabe des WESER-KURIER nicht einfach Werbekunden zu entziehen.

artundweise: Werden nur ausgewählte Vertriebsmitarbeiter mit aditory arbeiten oder schulen Sie alle Anzeigenberater?


Jens Tittmann: Wir werden in der Anlaufphase aditory erst mal mit ausgewählten Vertriebsmitarbeitern zusammenbringen. Das ist in erster Linie dadurch bedingt, dass wir bereits eine eigene Online-Unit im Vertrieb haben. Perspektivisch spricht nichts dagegen, alle Anzeigenberater auf aditory zu schulen.

artundweise: Herr Tittmann, keine neuen Werbekonzepte sind das Papier wert, auf dem sie stehen, wenn sich daraus keine Steigerungen der Online-Werbeerlöse ergeben. Was sind Ihre konkreten Erwartungen?

Jens Tittmann: Eine prozentuale Steigerung der Online-Werbeerlöse lässt sich im Moment sicherlich noch nicht beziffern. Dafür hängen da viel zu viele Faktoren mit drin – nicht zuletzt die Reichweitensteigerung über das Portal. Ähnliches gilt auch für Ideen und Gedankenspiele aus dem Bereich Paid Content – all das spielt mit hinein in die Online-Werbeerlöse. Natürlich erhoffen wir uns durch den Einsatz von aditory eine Umsatzsteigerung für die sublokale Vermarktung. Auf der anderen Seite haben wir aber an keiner Wundertüte, sondern an einem komplexen Konzept mitgearbeitet, in dem aditory “nur” einen Teil, wenngleich einen zentralen darstellt.

artundweise: Wie viele Seiten mit lokalem Bezug hat Ihr Online-Portal und wie viele lokale Werbeplätze wollen Sie über aditory vermarkten?

Jens Tittmann: Wie eingangs schon erwähnt, haben wir einen sehr starken lokalen Bezug. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Dementsprechend wollen wir auch viel lokal vermarkten. Wir kollidieren nicht mit der OMS oder unserem professionellen Vertrieb. Nach der Integration, für die wir etwa drei bis vier Wochen veranschlagen, werden wir aditory für Bremen und das Bremer Umland einsetzen – etwa im Stadtteil-Bereich, für die Seiten der einzelnen Gemeinden rund um Bremen und sicherlich auch in Sparten wie Regional- und Lokalsport. Das sind Bereiche, in denen wir Kunden gewinnen können, die nicht die Umsatzstärke haben, um großflächig bei uns zu schalten. Mit aditory können solche Kunden bei uns sehr kleinteilig oder kampagnen-orientiert schalten und Streuverluste vermeiden.

Die Technik ändert sich, das Markenversprechen bleibt

Printmedien genießen laut einer Studie von TNS Emnid Medienforschung (2009) bei einem Drittel der Menschen, die sie gleichbleibend oder vermehrt nutzen, mehr Vertrauen als elektronische Medien. Es wäre naiv zu glauben, dieses Vertrauensgefälle würde sich nicht auch bei den Anzeigenkunden wiederfinden. Tageszeitungen sind eingeführte, etablierte Marken, deren besonderes Markenversprechen in der Bindung an die regionale und lokale Ebene liegt. Die Stärkung der Kernkompetenzen hinsichtlich eines qualitativ hochwertigen Lokaljournalismus’ bedeutet keine Reduzierung dieses Markenversprechens. Stattdessen wird dies etwa durch den Ausbau von lokalen Serviceangeboten, die sich durch die Möglichkeiten der digitalen Technik realisieren lassen, sogar noch gefestigt.

Wichtig ist, den Werbekunden bei Veränderungen nicht allein zu lassen. Auch Werbekunden müssen gegenrechnen, ihre eigenen Ziele überprüfen und sich den Veränderungen der Medienwelt anpassen. Wenn es dann noch gelingt, ihnen einen Freiraum in der gemeinsamen Anpassung anzubieten – etwa mit flexibler Anzeigengestaltung, mehr Transparenz und weniger Streuverlusten – dann kann man von guten Voraussetzungen für den Erhalt der Marke Tageszeitung sprechen.

  • Alles über aditory

  • aditory Flyer

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  • Artikel in Fachmedien

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