Braucht der Mittelstand virtuelle Realität? | Kreativagentur für die digitale Zeit

Braucht der Mittelstand virtuelle Realität?

Industrie 4.0: Chancen der Digitalisierung

Industrie 4.0 am Hochregal

Auf den großen Technik- und Gaming-Messen ziehen sie Scharen an: Virtual-Reality-Brillen. Aber: Virtuelle Realität gibt es schon lang nicht mehr nur in der Spielebranche. Die innovativen Technologien optimieren heute bereits maßgeblich die Fertigungsprozesse und Qualitätssicherung im Industrie-, Logistik- und Dienstleistungssektor. In der digitalen Zeit bergen VR-Applikationen großes Potenzial für den Mittelstand.

Wie ein Cyborg fühle ich mich, als ich die Oculus Rift aufsetze. Blind frickele ich an den Gurten herum. Autsch! Ein Haar verfängt sich im Klettverschluss. Langsam macht sich auch das Gewicht bemerkbar – ganze 380 Gramm balanciere ich auf der Nase. Zugegeben, ein bisschen schwer tue ich mich noch mit der verheißungsvollen Datenbrille. Es geht los. Vor mir liegen die unendlichen Weiten des Weltalls. Ich bewege den Kopf. Erst nach links – ist das der Uranus? –, dann nach rechts. Dann wage ich vorsichtig einen Blick nach unten. Wahnsinn! Ich bekomme eine leise Ahnung von Schwerelosigkeit. Als ein Meteorit an mir vorbeirauscht, kann ich sie langsam spüren, die Faszination, mit der auch Facebooks Mark Zuckerberg von virtueller Realität spricht.

 

Hallo neues Interface

Spätestens seit der Übernahme des Brillen-Herstellers Oculus VR im Jahr 2014, ist klar, welches Potenzial Facebook in der Virtual Reality (VR) sieht. Beim diesjährigen Mobile World Congress prophezeite Zuckerberg der neuen Technologie eine glorreiche Zukunft als nächste große Computing-Plattform nach Mobile. Virtuelle Realität werde unser Nutzungsverhalten ähnlich stark revolutionieren wie die ersten Smartphones vor rund einem Jahrzehnt.
Ich nehme die Oculus ab und betrachte sie. Halte ich gerade ein Stück Zukunft in den Händen? Die digitalen Weltkonzerne Facebook, Samsung, Sony, HTC und Microsoft investieren bereits seit Jahren in die neue Technologie und entwickeln hauseigene Virtual-Reality-Brillen – im Fachjargon auch Head-Mounted-Displays (HMD) genannt. Der Traum von virtueller Realität ist so alt wie die Computertechnologie selbst. Lange war die Idee ihrer Zeit voraus, die Hardware zu teuer und noch dazu nicht leistungsstark genug. Im Jahr 2016 scheint der Traum wahr zu werden. Schon jetzt beeindrucken Virtual-Reality-Umgebungen mit hochauflösenden Bildern und glasklarem Sound. Technikeuphorische Early Adopters reißen den Herstellern die VR-Brillen aus den Händen und auch auf dem Massenmarkt steigt der Absatz. Laut einer Studie im Auftrag von Bitkom kann sich jeder fünfte Bundesbürger ab 14 Jahren vorstellen, eine VR-Brille zu besitzen – 14 Millionen potenzielle Nutzer stehen also allein in Deutschland in den Startlöchern.

 

Augmented Realitys: Gotta catch ‘em all

Virtual Reality ist in unserem Alltag schon längst angekommen und begleitet uns in unserer Hosentasche – auch ganz ohne Datenbrille, dafür auf unserem täglichen Begleiter, dem Smartphone. Hier eröffnet sich für Unternehmen die Chance, ihre Kunden in ihrem gewohnten Umgang mit modernen Technologien zu erreichen. Der neuste Hype: das Augmented-Reality(AR)-Game Pokémon Go. Der Clou: Durch die GPS-Ortung des eigenen Smartphones zeigt das Spiel, wie bei Google Maps, an, wo man sich gerade befindet. Will man ein Pokémon einfangen, heißt es: hinterher, Bewegung – und zwar in der Realität, denn die App erkennt, wohin der Nutzer läuft. Plötzlich steht das Pokémon zum Beispiel in der eigenen Wohnung, dem Parkhaus oder vor dem Lieblingsrestaurant. Reale Denkmäler und Wahrzeichen der Stadt sind fester Bestandteil des Spiels, das die echte Welt erweitert.

Wirklichkeit und Virtuelles verschmelzen zunehmend – für Unternehmen liegt hier großes Potenzial, denn sie können ihre Kunden in ihre virtuellen Produktwelten eintauchen lassen.

 

Das Zauberwort: Immersion

Wer aber einmal eine Datenbrille aufsetzt, verliert sich schnell in der virtuellen Welt (vorausgesetzt man ist immun gegen Motion Sickness, Schwindelgefühle und Übelkeit, die Nutzer bei ihrem ersten Ausflug in die virtuelle Realität beschreiben), die ganz neue, unmittelbare Erlebnisse in einer dreidimensionalen Umgebung bietet. VR zieht Nutzer in ihren Bann: Immersion ist hier das Zauberwort. Der Ausdruck beschreibt die Erfahrung, vollständig in die virtuelle Welt einzutauchen und alles um sich herum zu vergessen. Virtual-Reality-Brillen wirken besonders immersiv, weil der Nutzer mit der Technologie interagieren kann. Er kann sich umschauen, sich im Raum bewegen und seine Umgebung aktiv erkunden. Mit VR können wir das sein, was wir schon immer wollten: Rennfahrer, Fallschirmspringer, Tiefseetaucher oder eben Astronautin. Wir sehen die virtuelle Welt nicht nur – wir erleben sie.
Mit VR wird Technologie so emotional wie nie zuvor. Ein spannender Effekt, den auch Unternehmen für sich nutzen können – denn es gibt viele sinnvolle Anwendungsbereiche, die gerade mittelständische Unternehmen für sich nutzen sollten.

 

Produkte und Dienstleistungen erlebbar machen

Mithilfe prägnanter VR-Erlebnisse lassen sich Emotionen gezielt transportieren. Ein Einsatz von VR lohnt sich daher vor allem im Bereich der Produktpräsentation. Denkbar ist der Einsatz von Virtual Reality zum Beispiel als Marketing- und Vertriebsinstrument. Statt schnöde Reisekataloge zu wälzen, können Kunden im Reisebüro einfach eine VR-Brille aufsetzen und ihr potenzielles Reiseziel schon mal vorab erkunden. Oder wie wäre es mit einer virtuellen Probefahrt des Sportwagens auf einer echten Rennstrecke? Eine VR-App macht’s möglich.
Virtuelle Realität macht Produkte und Dienstleistungen nicht nur erlebbar, sondern auch beliebig konfigurierbar. Der Einsatz von Virtual-Reality-Anwendungen kann sich vor allem in der Bau- und Immobilienbranche lohnen, denn gerade hier geht es darum, etwas zu verkaufen, was es häufig noch nicht gibt. Häuser und Wohnungen werden virtuell begehbar, Besichtigungen jederzeit möglich. Projektentwickler, Makler und potenzielle Käufer können virtuelle Rundgänge machen. Aus komplizierten Zeichnungen werden anschauliche 3D-Modelle, die sich aus allen Perspektiven betrachten lassen. Mit virtuellen Rundgängen können Kunden ihr Wunschbadezimmer erleben, bevor es gebaut wird – Schaumbad und Kerzenschein inklusive. VR-Anwendungen laden Kunden ein, die künftige Inneneinrichtung ihres neuen Heims virtuell auszuloten. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Kunde von Landhausstil oder Bauhaus träumt – durch den Einsatz von VR-Technologien können Kunden Architektur und Innenausstattung ohne Risiko ändern und ausprobieren.

 

Industrie 4.0: Chancen für Logistiker und Dienstleister

Die digitale Zeit und technologische Innovationen verändern die Art und Weise, wie Arbeitsprozesse ablaufen. Virtuelle Techniken werden zu Arbeitswerkzeugen. Diese Chancen der Digitalisierung muss der Mittelstand nutzen – und er tut es bereits.
Der Online-Brillenhändler Mister Spex bietet seinen Kunden die Möglichkeit, die perfekte Lesebrille direkt beim Onlineshopping zu finden, ganz bequem per Webcam. Während der Nutzer einfach geradeaus in seine Webcam schaut, setzt ihm der Online-Optiker das 3D-Modell der ausgewählten Brille auf die Nase. Passt diese Brille zu mir? Vielleicht doch eher eine eckige Variante? Ein Klick und der erste Eindruck ist mittels AR gewonnen.
An noch spannenderen Technologien, die den Nutzer eine nahezu symbiotische Beziehung mit Virtual-Reality-Applikationen eingehen lassen, arbeitet das Bremer Unternehmen Ubimax. Die Wearable-Computing-Spezialisten entwickeln intelligente Systeme für die Prozessoptimierung im Industrie-, Logistik- und Dienstleistungssektor. Zu ihren Kunden zählen unter anderem BMW, DHL, Daimler, dm oder WS-Kunststoff-Service.

 

Smart Glasses für smarte Prozessabwicklung

Für mehr Effizienz in der Kommissionierung haben die Bremer Experten die Pick-by-Vision-Lösung „xPick” entwickelt, eine Multi-Order-Kommissionierlösung für moderne Smart Glasses. In Lagerhallen großer Möbelversandhäuser oder in den Ersatzteillagern von Automobilherstellern müssen die sogenannten Picker den Warenein- und -ausgang, die Sortierung der Produkte und auch die Inventur koordinieren – mit ergonomischen Datenbrillen mit grafischer Benutzerschnittstelle werden diese Prozesse optimiert. Stellt der Kommissionierer einen Kundenauftrag zusammen, prüft und visualisiert das Wearable einzelne Prozessschritte. Entnimmt der Mitarbeiter etwa Güter aus einem bestimmten Regal, erkennt die Brille per Scan, ob alle für den nächsten Schritt notwendigen Bauteile nun vorhanden sind – digital statt mittels langer Stückliste, die manuell abgestrichen werden muss. Die Hände sind frei, die Pickrate steigt und Fehlerquellen werden vermieden – denn die Brille quittiert Scanfehler mit einem optischen Feedback.
Ubimax hat auch eine Lösung für die Prozesskontrolle und Qualitätssicherung in Produktionsabläufen entwickelt: die Make-by-Vision-Lösung „xMake”. Die Software leitet den Handwerker, der zum Beispiel die Heizung im Keller repariert, Schritt für Schritt mit visuellen Markierungen durch einen vordefinierten Montageprozess. Im Blickfeld erscheinen kontextspezifische Daten, die dem Mitarbeiter alle wichtigen Informationen liefern. Tauchen während der Montage unerwartete Probleme auf, kontaktiert der Mitarbeiter mit einem Sprachsignal kurzerhand den Kundendienst – und der wiederum sieht auf seinen Monitoren exakt das Problem, das der Monteur zu lösen versucht. Unkomplizierte Starthilfe aus der Ferne.

 

Relevanz ist wie immer der Knackpunkt

Technologische Innovationen müssen sich bewähren. Dafür braucht es konkrete Anwendungskontexte (Use Cases), die auf die Bedürfnisse der Kunden abzielen. Fehlt der Nutzen, bleibt auch der Erfolg aus. Ob sich VR im Mittelstand durchsetzt, entscheidet die Relevanz der Technologie für das einzelne Unternehmen. Fest steht: Schon heute ist Augmented Reality fester Bestandteil in vielfältigen Arbeitsbereichen von Wirtschaft und Logistik. Der Schritt zur virtuellen Realität ist nur die nächste logische Konsequenz.

 

Dieser Artikel wurde verfasst von den Autorinnen:
Julia Makowski und Patricia da Costa.

 

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