Die Meldung, dass Groß-Discounter wie Aldi Süd und Schlecker alternative Marketingmethoden austesten und die Schaltung von Anzeigen in der Tagespresse verringern wollen, ist für die betroffenen Verlage ein schmerzlicher Einschnitt – und wird in der taz so kommentiert, dass es den Lokal- und Regionalzeitungen damit an den Kragen gehen könne.
Für jedes Wirtschaftsunternehmen ist es ein Schlag, wenn ein Großkunde weniger Aufträge erteilt oder sogar ganz wegbricht. Und natürlich geht es einem Unternehmen an den Kragen, wenn er sich hauptsächlich auf Großkunden stützt. Lamentieren hilft in dieser Situation nichts.
Jedes Wirtschaftsunternehmen muss, um sich am Markt behaupten zu können, sich selbst und sein Angebot permanent weiterentwickeln. Und natürlich möglichst viele Kunden akquirieren, um das Risiko zu streuen.
Viele Verlage bewegen sich am Markt zu langsam. Sie haben (noch) nicht die internen Strukturen entwickelt, um neue Strategien und neue Angebote (in diesem Fall für gewerbliche Anzeigenkunden) zu entwickeln. Das ist schade und schädlich, denn es gibt neben den ganz großen Anzeigenkunden auch die ganz vielen kleinen gewerblichen Anzeigenkunden im lokalen Umfeld deren Potenzial die Verlage noch längst nicht ausgeschöpft haben – zumindest nicht für das Thema Online-Werbung.
Je früher ein Verlag anfängt, eigene innovative Strategien zu entwickeln und sich u.a. dieses Potenzial erschließt, indem er in neue Geschäftsmodelle investiert, desto unabhängiger wird er von einem „Strategiewandel“ seiner großen Anzeigenkunden.
Verlage vergleichen sich gerne mit Google, Amazon & Co. Selbst Lokalverlage scheinen an dieser “Täuschung” gerade zu Vergnügen entwickelt zu haben. Haben sie doch vor Ihrer Haustüre Leser und Unternehmen mit denen vielfältige Geschäftsmodelle möglich sind. Das Thema Anzeigen und Banner wird allerdings dabei eine immer geringere Rolle spielen. Aber vielleicht kann man sich gedanklich ja auch mal davon verabschieden ….
Dieter Reichert, censhare AG
Auch wenn man der Meinung ist, dass Anzeigen und Banner eine immer geringere Rolle spielen werden (was noch längst nicht entschieden ist) – verabschieden sollte man sich von keinem Geschäftsmodell, das Erlöse generiert. Natürlich sollten Verlage neue Produkte und Geschäftsmodelle für die Leser und Unternehmen in ihrer Region entwickeln – notwendig ist eine Diversifikation! Und bisher konnten Verlage bzw. Anzeigenberater gerade die kleinen gewerblichen Kunden nicht für das Thema Online-Werbung interessieren, weil die gängigen Buchungs- und Abrechnungsmechanismen zu kompliziert sind. Insofern liegt genau hier ein noch nicht ausgeschöpftes Potenzial für die Verlage. “Kleinvieh” macht eben auch Mist …