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Vortrag von Seth Godin: Weshalb Marketing zu wichtig ist, um es der Marketing-Abteilung zu überlassen

Nach dem Genuss dieses Vortrags wundert mich die Studienkombination von Computerwissenschaften und Philosophie, in der Seth Godin seinen Abschluss hat, nicht nur nicht mehr, sondern kommt mir beinahe zwingend notwenig vor.

Dieser Film dauert eine Stunde. Ist allerdings so unterhaltsam, dass es mir nicht so lang erschien. Seine Thesen werden allesamt von schlüssigen Beispielen und Erfolgsmodellen begleitet. Doch hier die für mich spannendsten Sätze in Kürze:

  • Ideen, die sich selbst verbreiten, gewinnen. (Ideas that spread win.)
  • Daher gilt auch heutzutage (vor allen Dingen für Software); wenn es nicht verbindet, warum sollte man sich die Mühe machen? Logisch; ein nützliches, funktionierendes Produkt, dass die Nutzer miteinander verknüpft (gleich ob in seiner Hauptfunktion oder als praktische Zusatzoption), verbreitet sich quasi selbst über die Kunden, die andere dazu auffordern es mit ihnen zu verwenden. Denn zu einer Verbindung gehören nun mal mindestens zwei… Beispiele: Faxgeräte, Paypal.
  • Der Erfolgswunsch verleitet dazu, Produkte auf den Markt zu bringen, die möglichst viele Menschen ansprechen. Die Schnittmenge führt jedoch zum Durchschnitt und für ein durchschnittliches Produkt gibt es meist viele ähnliche Konkurrenten, die alle möglichst viele Leute erreichen wollen. Daher wird der Lärm um auf sich aufmerksam zu machen und aus der Masse herauszutreten immer größer. Ein Resultat daraus; Spam.
  • Wichtig ist es auch, sein Produkt nicht an die Medien anzupassen, sondern die Kanäle und Optionen so zu formen und zu nutzen, dass sie optimal auf das Produkt hinweisen und unterstützen.
  • Immer weniger bedeutend ist; wo kann ich möglichst viele Menschen erreichen. Dagegen zählt vielmehr die Frage, WEN erreiche ich wo oder wann. Beziehungsweise wie erreiche ich in erster Linie Leute, die meine Idee / mein Produkt am besten verbreiten können.
  • Oft wird gefordert, dass zuerst der Erfolg bewiesen wird, bevor man sich der Umsetzung widmet. In vielen Fällen (wie zum Beispiel Blogs) muss man sich erst engagieren bevor sich langsam schrittweise Erfolg (mit einer dauerhaften Bindung) einstellt.

Da Godin allerdings am Ende seine Thesen zusammenfasst und somit dann zum spannendsten Teil kommt, lohnt es sich auf jeden Fall durchzuhalten:

Wenn man mit seinem Produkt erfolgreich sein will, muss man (oder es) auffällig sein und im Gedächtnis haften.
Das erreicht man, indem man an die Ränder geht – nicht in die Mitte / den Mainstream. Niemand will Durchschnitt sein, keiner will Durchschnitt kaufen oder sucht den Durchschnitt.
Insofern sollte man auch nur in einer Richtung an den Rand gehen und nicht in allen Richtungen. Beispiele:

  • Jet Blue hat kostenlose Snacks auf den Flügen verteilt. Aber nicht nur ein Brötchen, sondern so viel man möchte.
  • 37signals baut Lösungen, die einfach sind, nur online, ausschließlich im Abomodell, das man aber jederzeit kündigen kann.

Auch wenn Godin als unterhaltsame Eröffnung die Marketingfachleute bittet den Saal zu verlassen, so sehe ich die Kernbotschaft seines Vortrags nicht nur an die Produktentwicklung gerichtet, sondern im Anschluss ebenso an die Werbenden:
So braucht es in erster Linie das komplett, perfekt gebaute Produkt, das dann gekoppelt mit der optimalen, besonderen Werbeform und -idee im Ergebnis für sich wert ist, dass darüber gesprochen wird.

3 Kommentare zu “Vortrag von Seth Godin: Weshalb Marketing zu wichtig ist, um es der Marketing-Abteilung zu überlassen

  1. Die Thesen hören sich gut und richtig an, gerade auch was das Thema Reichweite angeht. Denn mit der gezielten Nutzung von Kanälen lassen sich auch die Streuverluste erheblich eindämmen.
    Der Artikel erinnert mich an einen Vortrag beim DMMA Kongress 2009 in Berlin. Das Hörerschaft bestand zu ca. 70% aus Männern und unter dem Thema zielgerichtete Werbung wurde das Logo von “Always” gezeigt – es stellte sich heraud, dass die Marken-Bekanntheit bei ca. 95% im Saal lag, aber welcher Mann kauft letztendlich das Produkt (das ja schließlich nicht das ideale Geschenk ist). Ein gutes Beispiel das Reichweite nicht automatisch auch den Abverkauf steigert, sondern es muss die richtige Zielgruppe angesprochen werden.

  2. Der Unterschied zwischen (nicht) zielgerichteter Werbung und dem Prinzip, von dem Seth Godin berichtet, ist, dass das Produkt dafür sorgt, dass sich eine “Geschichte” darüber unter den Usern verbreitet. Er spricht darüber, dass man Geld anstatt in Werbung lieber darin investieren sollte, das Produkt so zu konzeptionieren, dass es die Anwender dazu bringt, darüber zu sprechen.
    Der Titel der Rede “Too important to be left to the marketing department” sagt effektiv schon das Ende der traditionellen Werbung voraus. Denn Werbung wird von den Konsumenten heutzutage größtenteils ignoriert, während kleine, innovative Ideen (von denen sich Nutzer gegenseitig vorschwärmen) eine zunehmend größere Werbewirkung haben. Twitter, Blogs, Digg und vergleichbare Dienste sind heute größere Marketinginstrumente als Werbung.

  3. Pingback: Vonage verknüpft Facebook-Freunde noch enger | artundweise Blog

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