Ein Wochenende im Juni 2010: Die App Kopfnuss rangiert auf Platz 2 in der Liste der meistgekauften Apps Deutschlands. 10 Tage nach ihrem Launch.
7 Monate früher. Im Spätherbst 2009 beschlossen mein Bruder Paul und ich den iPhone SDK in unserer Freizeit einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Man hört ja soviel von diesen Apps. ![]()
Ist es eigentlich schwer, damit etwas zustande zu bringen, wo sind die Hürden, macht es Spaß?
Spaß ist wichtig, alles geschah in unserer Freizeit – vornehmlich an den Wochenenden – da muss etwas schon sehr unterhaltsam sein, wenn es eigentlich nach Arbeit riecht. Paul hatte die Idee zu einem Kopfrechen-Trainer und die Kompetenz in Xcode. Mir wurde die Gnade zuteil, nach der ersten Photoshop-Session die Grundstimmung, das Thema der App gefunden zu haben.
Ohne weitere Recherche und mit einer gesunden Ignoranz den tatsächlichen Bedingungen im App Store und dem Wettbewerbsumfeld gegenüber, erfreuten wir uns nun an ständigen Fortschritten, die unsere Ideen zum Leben erweckten. Warum nicht ein Schwamm, der die Tafel abwischt, damit eine neue Aufgabe daraufgeschrieben werden kann? Klar! Die Tafel sollte dann aber schon noch etwas feucht sein und erst nach und nach abtrocknen. Logisch! Wäre es nicht super, so ein kleines Strichmännchen zu haben, was schwer an einem Block aus Zeit zu ziehen hat, während der Trainierte sich einem Bombardement aus verschiedenen Aufgaben im Zeitdruck Modus unterzieht? Kein Problem – bekomm Du (also ich) erstmal die Animation hin, den Rest bau ich dann schon ein.
Und wie so oft merkt man der guten Technik nicht an, wie gut sie ist, da sie ruhig und mächtig im Hintergrund ihr Werk vollbringt. Kopfnuss hat ausgeklügelte Algorithmen, die für immer neue Aufgaben sorgen, sich falsch gelöste merken, erneut vorlegen oder bei gewünscht hohem Schwierigkeitsgrad eine weitere Progression auslösen, diese jedoch bei zunehmenden Versagen auf Userseite auch wieder zurücknehmen können.
Nach einigen Wochenenden war klar – wir waren an einem Scheidepunkt angelangt. Der Entwicklungsstand war stabil und das Bedienen machte Spaß. Nebenbei zeigte sich der positive Nebeneffekt, bedingt durch das andauernde Testen, dass der Umgang mit den Zahlen des Alltags tatsächlich weg vom Rechnen, eher zum Lesen wurde. Im Januar 2010 trafen wir die Entscheidung, Kopfnuss bis zur Marktreife zu entwicklen. Mit allem, was dazu gehört. Also eben auch den zweiten 90%, die bekanntermaßen ja nach den ersten 90% anstehen. In diesen enthalten waren dann auch weniger unterhaltsame Dinge wie Keywords für den Appstore festlegen, und beim Testen derselben jedesmal auf mindestens 2 weitere Mathe-Apps zu stoßen, die man zuvor noch nie gesehen hatte.
An einem Samstag im Mai war es dann soweit – alles war bereit (Youtube Filmchen, Website, PR Mitteilung, Pressekit) und uns fiel partout nichts mehr ein, was für die Release Version 1.0.0 noch nötig gewesen wäre. “Ich drück jetzt auf Submit.” kam es durchs Telefon aus Hamburg. “Ok, mach schon.” – gab ich aus Bremen zurück.
Warten. 4 Tage “Waiting for Review”. Am 5. Tag der Wechsel auf “In Review”. Bangen, hoffen – kommt sie zurück? Hat Apple etwas auszusetzen? Doch dann: Your Application has changed status to “Ready for sale”. Yes! Im ersten Anlauf. Wir sind im App Store. Schau mal – unser Icon – fühlt sich gut an.
Kopfnuss ging weltweit an den Start. Und der Welt schien es egal zu sein. Die Verkäufe pro Tag waren im kleinen 2-stelligen Bereich.
Uns wurde klar, wir waren kopfüber in ein Meer aus Apps geplumpst und trieben wie ein Tröpfchen von vielen neben vielen anderen unerkannt dahin…
Doch wie wir irrten – wenn auch die Massen noch keine Notiz von uns nahmen – der deutschen iTunes Redaktion waren wir aufgefallen. Ohne Vorwarnung sahen wir uns überraschend im Schaufenster “Neu & Beachtenswert” in der Kategorie Bildung vorgestellt (ein Kollege meines Bruders hat es als erster entdeckt und uns informiert). Man darf sich jetzt unter dieser “Vorstellung” nicht zu viel vorstellen. Im Endeffekt fischte eine nette Person von Apple diese kleine, halb ertrunkene App heraus und hängte sie mit nicht mehr als ihrem Icon bekleidet neben 19 weiteren auf. Ab jetzt musste Kopfnuss mit Icon und Namensgebung zeigen, ob die Käufer bereit für Bildung waren. Oh boy, und wie sie es waren. Es dauerte zwar einige Tage, aber vergangene Woche Mittwoch erklomm Kopfnuss den Bildungs-Thron und drückt seitdem einer ganzen Rubrik sein Icon auf. Der anschließende Sprint auf Platz #1 Overall brachte uns vergangenes Wochenende bis auf #2 – der kleine Jump vorbei an Megajump war jedoch nicht mehr drin. Skurril, eine Bildungs-App in den von Spielen dominierten Top Ten zu sehen. Der Anblick wird – auch Dank der WM – wohl von kurzer Dauer sein.
Schön zu sehen, dass so viele Leute sich für unsere App begeistern lassen. Ganz klar ein Ansporn, der auch in der täglichen Arbeit für artundweise motiviert.
Möge die Losung “Kopfnuss IST Bildung” noch lange Bestand haben.


Superidee! Dazu das liebevolle Design, eine wirklich runde Sache. Also Leute, ab jetzt rechnet beim Rechnen mit dem Spaßfaktor.
Nachdem die neue Bildungsstudie-Studie gestern die Notwendigkeit dieser App als hilfreiche Unterstützung für die schlechtesten Schüler in der Bundesrepublik – nämlich Bremen – deutlich gemacht hat sage ich nur: Macht mehr Werbung in den Schulen
Und ein großes Lob für die – auch bei mir in Benutzung – schöne, funktionelle “Rechnen macht Spaß”-App!