Blog

"Paid Comment" oder "Paid Content"?

Heute habe ich in einem Artikel gelesen, dass die US-Zeitung ‘Sun Chronicle‘ ein neues Modell für Paid Content entwickelt hat. Alle Nutzer, die die Kommentarfunktion nutzen möchten, sollen von nun an eine Einmal-Gebühr von 99 Cent bezahlen. Damit möchte der Verlag zukünftig anonyme “Spams” vermeiden, um Paid Content ginge es dabei eher weniger.

Voraussetzung ist, dass der Nutzer eine Kreditkarte hat, mit der die Gebühr bezahlt wird. Allerdings werden bei Zahlung die persönlichen Daten (Name, Adresse und Telefonnummer) abgefragt und der Nutzer muss zudem bestätigen, dass er für den Inhalt der Beiträge rechtlich verantwortlich ist. Ein anonymer Beitrag ist also nicht mehr möglich.

In den USA ist die Maßnahme teilweise umstritten, denn man fürchtet um das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Offen gestanden bin auch ich beim Lesen des Artikels ins Grübeln gekommen.
Paid Content für den “eigenen Content” also eher “Paid Comment”?
Ist das der richtige Weg? Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass ich nicht bereit bin, dafür zu bezahlen, dass ich den Content der Zeitung mit Kommentaren bereichere bzw. erweitere. Die Zeitung profitiert von guten Kommentaren und wertvollen Diskussionen, die sie begleiten oder bspw. für einen neuen Artikel aufgreifen kann.

Natürlich kann ich nachvollziehen, dass der Verlag Spam-Kommentare zukünftig verhindern will, aber sollte dies auf Kosten der interessierten und aktiven Nutzer geschehen?

6 Kommentare zu “"Paid Comment" oder "Paid Content"?

  1. Ich finde die Idee des Verlages sehr gut. Früher haben die Leute für Ihre Leserbriefe auch Porto bezahlt. Wenn ich Kommentare zu Artikeln lese, auch auf seriösen Plattformen, fragt ich mich oft, ob die Leute sich überhaupt keine Zeit nehmen, über ihren Beitrag nachzudenken. Hier macht aus meiner Sicht eine “Pay-Wall” tatsächlich Sinn, nämlich als “Think-Wall”! Und dann werden die “Leserbriefe” hoffentlich wieder substanzieller und interessanter.

  2. Es gibt sicher Medien, die von gehaltvollen Kommentaren einiger Leser auf Dauer profitieren – das sind aber wohl eher Fachmedien. Allerdings ist diese Erkenntnis etwa für Betreuer von Foren gute 10 Jahre alt. Ich behaupte: Die Spam-Angst ist doch letztlich nichts anderes als eine vorgeschobene Rechtfertigung für mangelnde redaktionelle Pflege (manpower). Wann begreifen Medien im Internet endlich, dass man Dialoge pflegen muss!! Für den Dialog Geld verlangen, hat mit Pflege nichts zu tun. Demnächst muss dann vielleicht sogar die einfache Kontaktaufnahme zu Verlag oder Redaktion bezahlt werden!? Achtung, Kommentare hierzu sind kostenpflichtig!

  3. Ich denke, dass damit eine Hürde geschaffen wird, die in erster Linie zu sehr viel weniger Kommentaren führen wird. Und wenn jemand gerne viele sinnfreie Kommentare schreibt, wird ihn eine Einmalgebühr in der Höhe wohl auch nicht schrecken.
    Es wird meiner Meinung nach eher das von vielen Verlagen und auch anderen Unternehmen mühsam aufgebaute Pflänzchen der Nutzer-Interaktion sehr negativ beeinflussen.

  4. Das britische Nachrichtenmagazin “Times” (nicht “Time”) hat diesen Monat eine Paywall eingeführt. Hier muss für das gesamte Angebot gezahlt werden. Das Onlineportal hat ca. zwei drittel seiner Leserschaft eingebüßt. Intern hat man wohl mit einem Einbruch von bis zu 90 % gerechnet. Die Frage ist was unterm Strich übrig bleibt. Weniger Besucher und damit weniger Werbeeinnahmen, dafür Geld für Onlineabos.
    Letztendlich glaube ich, dass vor allem bei lokalen Tageszeitungen mittelfristig für das Angebot gezahlt werden wird. In 5 Jahren wird Paidcontent ganz normal sein.
    Nächstes Jahr findet es auch jeder normal, dass in Kneipen nicht mehr geraucht werden darf und keiner regt sich darüber mehr auf.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>