"Oma-sichere" Tablets

In zwei aufeinander folgenden Vorträgen habe ich auf der Zeitung Online 2010 den Begriff “oma-sicher” gehört. Und nun wird er sogar im offiziellen Bericht des BDZV über die Konferenz am 8./9. Juni in Berlin zitiert: “Applikationen für iPad und Co. müssen ,oma-sicher‘ sein“.

Offensichtlich soll damit eine sich selbst erklärende Navigation gemeint sein. Das heißt aber wohl auch, dass “die Oma” von einigen Herren als der “dümmste anzunehmende User” angesehen wird: DER SUPER DAU.

Ich frage mich, wie die Herren eigentlich darauf kommen? Wer ist denn “die Oma”? Und warum denn eigentlich nicht “der Opa”? Und ab wann ist man denn eigentlich “die Oma oder der Opa”, der als Super-Dau in Frage kommt? Hat das was mit dem Alter zu tun oder mit dem Grad der Demenz? Oder generell mit technischem Unvermögen? Oder sogar mit der Angst vor der Technik? Oder schlimmstenfalls alles zusammen?

Das verstehe ich nicht. Gut, die digitalen Profis sind im Schnitt gut 36 Jahre alt und überwiegend männlich. Eine Studie der Initiative D21 zeigt auch, dass der Teil, der in der digitalen Gesellschaft Aktiven, bei gebildeten Menschen und bei Männern sehr viel höher ist, als bei Menschen aus bildungsfernen Schichten und bei Frauen … und illustriert als digitalen Außenseiter einen alten Mann. Obwohl das Durchschnittsalter der Digitalen Außenseiter mit 62,5 Jahren angegeben wird. Nun ja. Tablets werden in der Studie übrigens noch gar nicht genannt.


Aber gerade das iPad eignet sich für ältere und alte Menschen, die motorisch nicht mehr so filigran sind. Und vor allem für diejenigen, die vielleicht schon eine Lesebrille oder sogar eine Lupe zum Lesen benötigen. Und erst die Möglichkeiten, die Text-to-Speech Anwendungen für Sehschwache bieten. All-in-one. Herrlich!

Kürzlich benutzte in diesem Zusammenhang ein Chefredakteur im Gespräch mit mir den Ausdruck “bildungsneutral” – den finde ich richtig gut!


5 Antworten auf "Oma-sichere" Tablets

  1. Nicole Haase Nicole Haase sagt:

    Richtig, weshalb eigentlich nicht “der Opa”?
    Das iPhone schlägt als Textalternative für das iPad ja ebenfalls das Wort “Opa” vor.

  2. Wiebke Hecht sagt:

    Da fällt mir nur das Eine ein: DANKE!

  3. Benedikt Grathwohl Bene sagt:

    Bildungsneutral – der linguale habitus mancher Mitmenschen ist erstaunlich!

  4. mell sagt:

    Ich empfinde den Oma-Satz als diskriminierend. Daher glaube ich: den Oma-Satz hat bestimmt ein Opa erfunden. Omas würden doch niemals sagen das iPad wäre was für Omas – ausser es wären ganz emanzipatorische Omas ;-)

  5. Pingback: Ältere Generationen und die Tablet-PCs | Blog

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