Extreme Empfindungen und Eindrücke, sowohl positive als auch negative, werden meist besonders nachhaltig in unserer Erinnerung gespeichert. Mit brüllender Kritik zu einem Projekt oder sogar zur eigenen Person umzugehen, ist in vielen Fällen nicht leicht.
Der so genannte Indiana Jones des digitalen Zeitalters, Timothy Ferriss, machte auf der The Next Web ’10 (beobachtet von Mashable) anhand folgender sieben Punkte deutlich, wie man mit Hasstiraden umgehen sollte.
1. Es ist nicht wichtig, wie viel Personen nicht kapieren.
Entscheidend ist, wie viel Leute verstehen.
So lange man seine Zielvorgaben erreicht, können 1000 Fans einen lawinenhaften Effekt auslösen, so dass die 10 Millionen, die es nicht begreifen, nicht wichtig sind.
2. 10% der Leute finden immer einen Weg, alles persönlich zu nehmen.
Erwarte es.
Da man im reagierenden Modus unproduktiver ist, sollte man sich auf solche Attacken vorbereiten und sich die Antworten im Vorfeld zurechtlegen. Eine unvorbereitete und somit eventuell auch unangebrachte Reaktion kann das Problem sonst erheblich vergrößern.
Abgesehen davon beobachtet Tim Ferriss häufig, dass Zeit vergeudet wird, indem auf die gesamte Kritik geantwortet wird, unter anderem auch auf Dinge, die keiner Antwort würdig sind.
3. „Das Bestreben von jedem gemocht zu werden, ist ein Zeichen von Mittelmäßigkeit.“ (Colin Powell)
Wenn man jeden gleich behandelt und jedem mit Zustimmung oder Entschuldigungen begegnet, erzielt man garantiert nur mehr der Reaktionen, die man nicht möchte. Was nicht bedeuten soll, dass er generell vom Antworten abrät, sondern strategisches und taktisches Vorgehen vorangestellt werden muss.
4. „Wenn man sehr effektiv ist in dem, was man tut, werden 95% der Dinge, die über einen gesagt werden, negativ sein.“ (Scott Boras)
Je größer die Bedeutung, je umfangreicher die Ambitionen und das Ausmaß des Projekts, desto mehr negative Äußerungen wird es erzeugen. Ein Zitat, dass Ferriss in seiner Brieftasche aufbewahrt, da es ihn daran erinnert, dass die besten Leute in beinahe jedem Bereich auch gleichzeitig die Personen sind, die die meiste Kritik erhalten.
5. „Wenn du etwas verbessern willst, sei der Inhalt verrückter und dummer Gedanken.“ (Epiktet)
„Um Kritik zu vermeiden, tu nichts, sag nichts und sei nichts.“ wäre ein ebenso passendes Zitat von Elbert Hubbard. Ferriss meint, er habe über die Jahre gelernt Kritik zu genießen und würde zum Training den Punkt noch auf die Spitze treiben und dazu ermutigen, aktiv einen verrückten und dummen Eindruck zu provozieren.
6. „Besser leben ist die beste Rache.“ (Georg Herbert)
Der beste Konter einer Hass-Attacke ist es, besonders deutlich werden zu lassen, dass dieser Angriff keinen Eindruck hinterlassen hat und dann zu zeigen wie viel Spaß man hat. Sich darauf zu konzentrieren, es sich gut gehen zu lassen, wird den Aggressor stärker treffen als alles andere.
7. Bleib ruhig und mach weiter.
Auf die Handlung sollte man sich konzentrieren und nicht auf den Beifall. Wer davon überzeugt ist, die Welt verändern zu können, sollte laut Tim Ferriss tun, was er für richtig hält und sowohl Widerstand als auch Angriffe erwarten. Also ruhig bleiben und weiter machen!
Weshalb ich nun in diesem Artikel den viel benutzten Ausdruck shitstorm meide? Ich glaube, dass es schwer fällt, einen guten Umgang mit einer Angelegenheit zu finden, die solch einen Titel trägt. Tim Ferriss empfiehlt sich in positiver Haltung mit solcherlei Angriffen zu befassen und das klingt absolut plausibel für mich.
Eine gut gefluchte Antwort kann sicherlich unterhaltsam und lustig sein, allerdings bin ich überzeugt, dass man auf lange Sicht mit dem Training von Tim Ferriss besser fährt.
Negative Resonanz kann allerdings extreme Formen annehmen und weiter ansteigen, wenn mehrere Personen sich gegenseitig anstacheln. Und ich muss nun permanent darüber nachdenken, an welcher Stelle mein Siedepunkt erreicht wäre. Ob sich diese sieben Prinzipien dann tatsächlich durchhalten lassen oder wann ist es völlig legitim, die Contenance zu verlieren?