Als ich jüngst auf einem Verlegertreffen einen Vortrag hielt, stand am Ende die folgende Frage im Raum:
Glaube ich, so fragte der Gastgeber, dass es auch in 30 Jahren noch Bücher geben werde?
Natürlich, sagte ich. Ich hatte in meinem Vortrag gezeigt, dass es mit dem Buch so sei, wie mit dem Musikstück. Es hat sich nach einigen Irrungen und Wirrungen den neuen Ausgabeformen angepasst. Es bleibt ein Lied. Es wird komponiert, produziert und das oft von Profis, die etwas von ihrem Fach verstehen. Es wird immer wieder gehört und von vielen Menschen seit einigen Jahren vermehrt auch wieder gekauft. Das Album, das der Musikkenner so liebt, mag zerrissen sein. Aber die Musik hat sich nicht verändert, weil wir sie mit iPods hören. Sicher: die Zusammenstellung hat sich gewandelt.
Warum sollte es einem so perfekten Produkt, wie dem Buch anders gehen. Alles ist im Umbruch und viele Verlage scheinen zu glauben, man müsse das Buch neu erfinden. Das Buch ist aber nicht zu verbessern, erst recht nicht, wenn es ein Roman ist.
Denn auch im Falle des Buches zeigt sich, dass es funktioniert: Die Geräte passen sich dem Bedürfnis an, Bücher zu lesen. Mit atemberaubenden Display allerorten und der Möglichkeit die Bücher direkt zu kaufen und zu laden. Man kann alle Bücher, die man im Urlaub lesen will mitnehmen. Seit es diese Möglichkeit gibt, kaufe ich mehr Bücher als zuvor.
Das Buch hat eine ganz bestimmte Magie, an die sich Menschen seit vielen Jahren gewöhnt haben. Es hat einen Anfang und ein Ende, es ist linear aufgebaut und manche von Ihnen besitzen Inhaltsverzeichnisse.
Und es ist gut, dass Bücher in Verlagen produziert werden, die sich erst einmal durchlesen, was der Autor sich ausgedacht hat und als Kurator fungieren. In der Produktion des Buches ist es äußerst hilfreich professionelle Lektoren zu haben, die mit ihrer Expertise dem Autor helfen eine Ebene, einen Stil und einen roten Faden einzuhalten.
Das Buch und der Herstellungsprozess sind perfekt. Daran ändern digitale Medien nichts. Ganz im Gegenteil, sie helfen dabei, effizienter zu sein und eine höhere Qualität zu liefern.
Doch warum glauben viele, man müsse jetzt die “Möglichkeiten des Mediums”, wie es heißt, nutzen? Man solle Kommentare in einem Buch ermöglichen, damit Menschen gemeinsam lesen und sich austauschen. Lesen ist so ziemlich das Letzte, das ich gemeinsam mit anderen machen will. Austauschen werde ich mich auf einer der vielen Plattformen, vielleicht auch im Gespräch, ganz sicher aber nicht IN einem Buch.
Oder diese interaktiven Geschichten, die sich nicht entscheiden können, wie sie enden, sondern das Ende vom Nutzer wählbar machen.
Ich will nicht wählen.
Ich will eine fertige, tolle, verrückte, informative, emotionale oder banale Geschichte lesen.
Liebe Verlage, lasst das Buch wie es ist. Kümmert Euch lieber um tolle Autoren und gute Geschichten. Ein Buch muss nicht, nur weil es jetzt auch elektronisch verfügbar ist, diese Möglichkeiten nutzen. Keine Videos bitte, keine Interaktivität, die niemand braucht. Und bitte auf gar keinen Fall Updates.
Wenn etwas optimiert werden muss, dann verkauft mir das Buch als Lizenz – dann könnte ich gegen einen Aufpreis das Upgrade auf das Hörbuch kaufen.
Sorgt dafür, dass ich gelesene Bücher verschenken kann. Natürlich verliere ich dann die Lizenz und es verschwindet aus meinem digitalen Bücherregal. Aber lasst es zu.

Stimmt natürlich – doch Bücher werden sehr schnell wieder zu den Luxusartikeln, die sie einmal waren… irgendwann unbezahlbar für die “Masse”, die sich mit elektronischem “Content” zufrieden geben muß. Dafür sorgen schon ständig steigende Produktions-, Verteil- und Marketingausgaben. So in etwa: “Was, Du hast noch ein echtes Buch? Boaaahhhh… ”
Ich horte meine papierenen “Schätzchen” bereits. Denn diese Entwicklung ist wohl kaum aufzuhalten. Wenn ich sehe, welchen Endpreis ich für eine hochwertig gebundene “girlsgame”-Ausgabe ansetzen muß… und daß dagegen die eBook-Version schon bei weniger als der Hälfte mehr Ertrag verspricht. Keine Druckkosten, kein Buchhandelsanteil, Vertrieb weltweit ohne Zusatzaufwand… schon deshalb gibt’s bei mir alle Varianten von Papier bis MP3
Eventuell bleibt die Entwicklung der Bücher tatsächlich ganz nah am Geschichtsverlauf der Musik und ich lege mir in Zukunft nahezu alles digital zu, nur meine Lieblingsstücke ordere ich im netten Packet. Professionell produziert – für die angenehme Haptik – zum genießen, hinstellen oder verschenken. Je nachdem, was ich damit tun möchte.
Bei mir gibt es ebenfalls die bunte Medienmischung und in keiner Form lasse ich gern “mitlesen”. Noch nie.
“Lesen ist so ziemlich das Letzte, das ich gemeinsam mit anderen machen will. ”
Das habe ich auch immer gedacht – bis letzte Woche. Da bekam ich von meinem Partner das (physische) Buch zurück, zu dem ich seine Meinung wissen wollte. Da das Buch vielerlei Themen umfasst und ich es selber bis dahin nur in Teilen gelesen hatte, vertagten wir einen detaillierteren Austausch bis nach meiner Lektüre. Dann aber wird er bereits das meiste, was er dazu sagen wollte, wieder vergessen haben – wer weiß, wann ich dazu komme!
Wir plauderten über dieses Defizit und kamen auf die Idee, dass es doch toll wäre. E-Bücher gemeinsam lesen zu können – jeder könnte während des Lesens Anmerkungen für den Mitlesenden machen, die natürlich nur auch Wunsch sichtbar geschaltet würden. Auch kleine “Leserunden” mehrerer Freunde oder Mitarbeiter wären denkbar und je nach Thema äußerst produktiv.
Tags drauf recherchierte ich ein wenig und stellte fest, dass wir praktisch den Kindle nach-erfunden hatten: man kann ein Kindle-Book “teilen”, indem man es auf bis zu 6 Geräten installieren darf. Kommentieren ist möglich, allerdings muss man ein Kürzel verwenden, da “verschiedene Personen” vom System nicht vorgesehen sind. Auch müssen die “anderen Geräte” auf demselben Account angemeldet sein, was die Sache etwas sperrig und unflexibel macht.
Ich stelle mir z.B. ein System vor, das mir ermöglicht, ein E-Buch zu einem Grundpreis zu kaufen. Damit hätte ich die Lizenz zum selber-lesen auf mehreren Geräten. Will ich Leute einladen, mitzulesen, könnte ich eine erweiterte Lizenz erwerben, z.B. 50 Cent für jeden weiteren Mitleser.
So könnten ganz neuartige “Lese-Gruppen” entstehen – für Romane und alles “Unterhaltende” ist das vermutlich nicht sehr interessant, wohl aber für den riesigen Bereich der Sachbücher!
“Lasst das Buch Buch sein”, da schließe ich mich an! Ich will zumindest im Roman keine Interaktivität und mich zwischen verschiedenen Enden entscheiden müssen etc. Sowieso ist mir das Buch aus Papier nach wie vor lieber und Regalwände voller Bücher eine tolle Umgebung.
Das gleiche lässt sich übrigens über Museen sagen: lasst bitte das viele Multimedia-Gedöns weg und zeigt lieber richtige Exponate und tolle Dioramen. Filme kann ich mir auch zuhause ansehen.
Ich sehe die These sehr skeptisch, dass weniger gelesen würde. Vielmehr sind es ja die Lesegewohnheiten, die sich verändern. Die Welt der Medien wird einfach vielfältiger und ich denke, das ist inzwischen auch bei den Verlagen angekommen. Bücher werden nicht verschwinden, da bin ich mir sicher, aber sie sind nicht mehr das einzige Medium, Texte zu beherbergen.
[...] meinem letzten Blogbeitrag »Lasst doch das Buch in Ruhe« habe ich geschrieben, dass eine Multimedialisierung des Romans nicht nötig ist, um in diesen [...]
Bin auch überzeugt, dass es in 30 Jahren immer noch Bücher gibt, trotz den E-Books. Bücher sterben nicht aus.
Eigentlich ist ein Buch wie eine gute App. In der Flut von Informationen, Wissensfragmenten und Unterhaltungsschnipseln, die uns über alle analogen und digitalen Kanäle um die Ohren fliegen, reduziert es Komplexität und gibt einen klaren Rahmen vor. Man konzentriert sich auf das wesentliche und kann sich endlich mal ungestört mit einer einzelnen Sache beschäftigen. Also eigentlich ein äußerst zeitgemäßes Konzept