Hurra, wir lesen doch!

Von E-Readern, Printwälzern und Lesegewohnheiten

Man liest Vergleiche, wie „eBook vs. Printbuch“ und gewinnt bei der Häufung solcher Headlines den Eindruck man müsse sich demnächst entscheiden. Auch wenn der weiterführende Inhalt der Beiträge wunderbar informativ ist und lückenlos Vor- und Nachteile aufführt, so klingt der Titel doch nach den Kontrahenten im Boxring. Hört man dann noch an anderer Stelle Sätze, wie „Die Verdrängung des Papiermodells naht.“, dann ist klar, wofür man sich entscheiden muss. Liegt auf dem Nachttisch noch Gedrucktes, fühlt man sich selbst eventuell etwas angestaubt.

Ich bin ein großer Fan uralter leinen- oder ledergebundener Schinken. Doch nicht nur der geniale Geruch, die Haptik und Optik der alten Stücke reizt mich, auch die frische Beute aus dem Buchladen darf sich als Hardcover-Variante nach Hause schleppen lassen. Natürlich ist das nicht der Lesestoff für unterwegs, sondern wartet am Ende eines Tages auf mich auf dem Nachttisch.
Seit ich unterwegs das Smartphone in der Tasche habe, kann ich zudem auch im Bus jede Minute zum lesen nutzen. Anfangs waren es nur kurze Informationen, die ich mir zu Gemüte geführt habe. Doch inzwischen ist auch das eine oder andere eBook ein Begleiter, das in der Tasche für die nächsten fünf Minuten die Fortsetzung bereithält. Die Ausrede, man hätte zu wenig Zeit zum lesen, zieht nicht mehr. Wer will, der kann.

In meinen Haushalt ist letztes Jahr auch ein Kindle eingezogen. So günstig, handlich und lesefreundlich konnte man es nicht ignorieren. Er beherbergt inzwischen eine riesige Menge Bücher und liegt gleich neben den Printbüchern, die ich aktuell lese. Je nach Lust, Laune und verbliebenem Energielevel wird noch etwas im Fantasy-Roman geschmökert oder digitale Fachliteratur gewälzt. Und für das Sachbuch eröffnet die Digitalisierung Möglichkeiten, die ich im Halbschlaf nicht mehr nutzen mag und daher der Hardcover-Roman doch eher als Absacker dient.

Nachttisch mit Amazon kindle

Der Griff zum Kindle wird jedoch bei mir zunehmend häufiger, denn das Amazon Prime-Abo, das nun auch nach Deutschland kommt und für 29 Euro jährlich Lesestoff satt verleiht, ist sehr verlockend (über 200.000 Bücher zeitlich unbegrenzt ausleihen – ohne Extra-Kosten).

Nun hat dieses digitale Lese-Instrument allerdings einen gravierenden Nachteil: wir haben nur EIN Gerät. Eine gut gefüllte Bibliothek, in der aktuell aber nur ein Besucher Platz hat. Ein Problem, das zu Weihnachten oder einem Geburtstag sicherlich zu lösen wäre, wenn man nicht gerade so fürchterlich viele Gadgets im Auge hätte. Das schlagende Kontra-Argument lautet also: „Wir haben schon einen.“. Allerdings gäbe es natürlich auch verlockende Alternativen, die man noch nicht hat, wie das Nexus oder auch das scheinbar immer realer werdende iPad Mini. Auch der Kindle hat sich weiterentwickelt und bietet als Kindle Paperwhite demnächst dann auch Lesevergnügen ohne Nachttischlampe – auch wenn die integrierte Beleuchtung nicht ganz so perfekt ist.

So oder so werden die Möglichkeiten zu lesen immer zahlreicher und nicht nur ich nehme die neuen Optionen bei sinkenden Preisen für E-Book-Reader und Inhalten gerne an. Verglichen mit meinen Lesegewohnheiten vor rund fünf Jahren, zeichnet sich deutlich ab, dass je mehr mobile digitale Geräte Einzug halten, ich auch mehr lese.
Die langjährige abendliche Routine mit meinen Printschmökern bleibt trotzdem bestehen und wird einfach üppig im restlichen Tagesverlauf ergänzt.

Wer mich unterwegs mit den eReadern kennt, ist meist überrascht, dass unsere Regale mit gedruckter Literatur gefüllt sind. Es besteht also generell das Vorurteil, dass Technik-Begeisterte komplett auf Printmaterial verzichten und konsequent Altes vernichten. Nun könnte man meinen, wir wären Ausnahmen oder einfach Nostalgiker. Das möchte ich nicht glauben. Ich vermute einfach, wir sind Leser.

4 Kommentare zu “Hurra, wir lesen doch!

  1. Finde ich gut so, ich lese viel im Ipad in der Kindle App, und bin froh das z.B. das Sonntagszeitungspapier nicht mehr ins Altpapier muss sondern, ohne gang zum Briefkasten ich die neuste Zeitung innert 5 Minuten auf dem IPad habe, da bin ich froh und meine Frau auch, denn dann wird das Altpapier nicht mehr so dick!

    Grüsse aus der Schweiz,
    P.S. habe das hier gerne gelesen! weiter so…!

  2. Als kleines Fazit zu meinen bisherigen Artikeln rund ums Thema E-Reader, bzw. zu meinen bisherigen “Unternehmungen” mit dem Kindle, würde ich sagen, dass das doch ein wirklich tolles Spielzeug ist. Interessante Texte und die aktuellen News lese ich nun regelmäßig auf dem angenehm anzusehenden E-Ink-Display. Zu Calibre ist zu sagen, dass es wirklich ein tolles Stück Software ist. Die Optik ist, wie schon erwähnt, nicht wirklich mein Ding. Auch scheint mir die Verarbeitung teils langsam zu sein – zumindest dauert das Abrufen der Nachrichten und die Konvertierung recht lange. Aber der Funktionalitäts-Umfang begeistert!

  3. Ausprobiert habe ich den noch nicht, allerdings kann ich auf die Zeitschriftenangebote (eine Reihe von amerikanischen, ein paar wenige aus Deutschland) zugreifen: und das ist auch ganz einfach – Amazon will ja verkaufen -, denn man ist tatsächlich immer nur einen Klick vom “Store” entfernt. Doch, wie erwähnt, das Angebot an deutschen, aber auch an amerikanische Presseerzeugnissen ist noch mehr als überschaubar, da wird noch Einiges passieren müssen in der Zukunft. Doch wenn es Amazon schafft, viele Zeitschriften von seinem Format zu überzeugen, weil es sich beim Durchschnittsmenschen im Haushalt aufgrund des Einstiegspreises besser verbreiten lässt als ein doch recht hochpreisiges Ipad – dann sehe ich dort für Zeitungsverlage grosse Chancen (und für mich eine gemütliche Zeit beim Frühstück mit vielleicht nicht nur einer Zeitung…).

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