Teil 2 zum digitalen Buch
In meinem letzten Blogbeitrag »Lasst doch das Buch in Ruhe« habe ich geschrieben, dass eine Multimedialisierung des Romans nicht nötig ist, um in diesen digitalen Zeiten ein medienadäquates Angebot zu machen. Vielmehr vertrat ich die Ansicht, es sei das perfekte Produkt, das Buch. (Gewisse Herren sehen das anders!)
Das Sachbuch hingegen ist digital in der Regel großer Schrott. Als ePub kann man es nun wirklich nicht guten Gewissens verkaufen. Die Magie der gedruckten Vorlage geht fast vollständig verloren, und es hat meiner Meinung nach kaum Aussicht auf einen langfristigen Erfolg.
Das Sachbuch muss neu erfunden werden.
Für das Sachbuch ist das iPad oder seine Brüder und Schwestern wie der Verbrennungsmotor für die Kutsche. Digital kann ein Sachbuchautor auf einmal Informant, Lehrer und Impulsgeber zugleich sein. Er kann mit 200 Kilometern pro Stunde durch sein Fachgebiet rasen, ohne jemanden zu verlieren. Denn unterstützt durch sinnvolle mediale Möglichkeiten (Audio, Video, etc.) veranschaulichen und intensivieren die neuen Dimensionen der Illustration das Lernerlebnis und die Vermehrung des Fachwissens. Keine Pferde mehr, sondern Pferdestärken.
Ein Sachbuch kann zum Hörsaal werden, zum Kolloquium und zur Bibliothek. Es kann einladen sich auszutauschen, das Buch fortzuschreiben oder mit Anschluss ans Netz ständig zu aktualisieren. Wenn es denn das Lernziel unterstützt, ohne mehr Verwirrung als Aufklärung zu stiften und beispielsweise Leserhinweise und aktuelle Ergänzungen klar dokumentiert sind. Werden darüber hinaus zum vermittelten Wissen passende Tests und Bewertungen angeboten oder Fußnoten und Quellenhinweise an erwähnter Stelle optional als Layer integriert, entfallen unbequeme Sprünge von den Aufgaben in der Mitte zu den Lösungen am Ende des Buches. Und das Endprodukt gewinnt: an Inhalt, Intensität, Aktualität und Geschwindigkeit – oder besser gesagt – Geschmeidigkeit.
Das Sachbuch ist das Gegenteil des Roman-Buches, wie wir es kennen. Es muss keinen Anfang und kein Ende haben. Doch es muss sinnvoll ergänzt, weiter stringent redigiert und somit die Glaubwürdigkeit gewährleistet werden. Dafür bedarf es passender Lösungen.
Erfindet Sachbücher, die die Chancen des Netzes mit der Kompetenz des Autors verbinden.
Und nein – schreibt nicht erst das Buch und findet dann eine Zweitverwertung digital. DENKT das Buch gleich im überlegenen Medium und druckt dann aus, was man eben drucken kann.

Nunja, das erscheint mir ein wenig undifferenziert. “Das Sachbuch” ist ja nicht die selbe Bezugsebene wie “der Roman”, eher schon wie “die Geschichte”.
Es gibt Sachbücher, die eine romanähnliche Form haben und davon leben. Dann gibt es das groß illustrierte Sachbuch in Art einer Enzyklopädie, bis hin zur verschwimmenden Grenze mit dem Bildband. Und natürlich das (inzwischen allerdings weitgehend obsolete) Lexikon. Und noch viele mehr.
Und jede dieser Formen braucht im digitalen Zeitalter eine andere neue Form. Einige eignen sich mehr zur Umsetzung in Webseiten, andere als Apps und wieder andere als epubs/mobis.
Das Sachbuch unterscheidet sich als gesamte Bezugsebene aus meiner Sicht grundsätzlich vom Roman. Denn es lebt oftmals von der grafischen Aufbereitung und ist damit nicht einfach 1 zu 1 übertragbar. Und genau da stimmen wir überein -> es muss für digitale Medien je nach Thema neu entwickelt werden. Es braucht ein völlig neues Denken, wenn man Sachbücher übertragen will und eben nicht einfach nur ein Format namens ePub.
Bin dabei!
[...] wird noch etwas im Fantasy-Roman geschmökert oder digitale Fachliteratur gewälzt. Und für das Sachbuch eröffnet die Digitalisierung Möglichkeiten, die ich im Halbschlaf nicht mehr nutzen mag und daher der Hardcover-Roman doch eher als Absacker [...]