Erben gesucht – die Demoszene altert

Trifft man alte Bekannte, gerät man entweder ins sinnieren über die guten, alten Zeiten oder man einigt sich auf ein „man müsste mal wieder…“. Am vergangenen Wochenende war Letzteres der Fall und noch bevor ich meinem netten Banknachbarn von damals aus der Demoszene das Sprüchlein komplett aufsagen konnte, fiel er mir ins Wort. Die Breakpoint (mir noch bekannt als Mekka & Symposium) soll in diesem Jahr zum letzten Mal stattfinden. Der Titel:
Breakpoint 2010 - Like there is no tomorrow
Im letzten Jahr wurde zwar endlich die tausender Marke in puncto Besucherzahlen geknackt, doch der Zukunft sieht man trotzdem mit Sorge entgegen. Die ehrenamtlichen Organisatoren werden alt. Sicher, der Schnitt liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen 35 und 40 Jahren. Wer nennt sich da alt? Allerdings ist man irgendwann einfach nicht mehr bereit, einen Großteil seines Jahresurlaubs dranzugeben für vier Tage Veranstaltung, drei Tage aufräumen und, nicht zu vergessen, etliche Tage der Organisation im Vorfeld und des Aufbaus vor Ort. Hut ab, dass ihr das so lange durchgehalten habt!

Nun, die nächste Generation ist dünn gesät. Die einstigen Motivationspunkte wie Anleitungen, Tipps, Tricks und Kniffe abgreifen oder an Competitions teilnehmen, sind durch die immer bessere Vernetzung nahezu aufgehoben. Lediglich die alte Hardware und Systeme hochleben lassen, Leute wieder sehen oder den alten Nerd-Anstrich von früher auffrischen, reicht als Beweggrund leider nicht aus.

Diese Erkenntnisse machten mich betroffen. Nicht (allein) weil mir mal wieder das fortschreitende Alter gewahr wurde, sondern da das ein Fingerzeig für die gesamte Szene und unsere Kultur ist. Die Geräte in den Jugendzimmern verlieren mehr und mehr die Tastaturen und ihr Daseinszweck geht immer seltener über das Spielen hinaus. Welchen Ausblick gibt solch ein Trend auf kommende Generationen der Entwickler?
Traurig, denn dann sind Ergebnisse wie die brillanten Demos der ewigen Ersten, beispielsweise Farbrausch, auch nur eine Erscheinung auf Zeit.

Wer jetzt neugierig ist, was es mit dieser ominösen Demoszene auf sich hat, weshalb Menschen privat in dieser Richtung Zeit investieren und welche Stimmung auf einer Demoparty herrscht, dem hilft vielleicht dieser Beitrag von arte weiter:


2 Antworten auf Erben gesucht – die Demoszene altert

  1. Tja…Mekka & Symposium, das waren noch Zeiten. Als wir (gefühlt) tonnenschwere Rechner und vor allem Röhrenmonitore durch die Gegend gefahren und geschleppt haben, stundenlang Netzwerke zunächst unter DOS mit wilden Batch-Dateien und BNC-Technik und später unter dem sich ständig weigernden Windows 95 zum Laufen bringen mussten. Von den ersten LAN-”Parties” im privaten Kreis (man hatte vorsorglich später ja gleich 2-3 Rechner zu Hause, damit nicht immer alle alles durch die Gegen schleppen mussten) hin zu den großen offiziellen Veranstaltungen, ja regelrechten Events, von uns besucht wie auch selbst organisiert. Ja, das waren schöne Zeiten an die ich gerne zurückdenke!
    Da fällt mir nur ein: wann gibt’s eigentlich mal wieder eine ordentliche Quake3-Session? :)

  2. Nicole Haase Nicole Haase sagt:

    @Jan: Und das stundenlange rumhühnern um ins Netzwerk der anderen zu kommen, die Stromausfälle, wenn die Skandinavier auch ihre Mikrowellen und Toaster zum Einsatz brachten … Die guten alten Zeiten …
    Quake3 wäre nicht meine erste Wahl in puncto Ego-Shooter, aber ich wäre trotzdem dabei ;)

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